Breitbandausbau

Dattelner Projekt für schnelles Internet ist gescheitert

2018 begannen die Planungen, um auch die Dattelner Außenbereiche mit schnellem Internet zu versorgen. Drei Jahre später ist das Projekt gestorben.
Da war die Welt noch in Ordnung: Im April präsentierten Stefan Huxel, Timo Erler und Jens Möller die Trassenführung für das Internetprojekt in den Außenbereichen. © Wallkötter

Dabei waren Timo Erler, Vorsitzender des Vereins, der das Vorhaben koordiniert, und seine Teamkollegen im April noch absolut zuversichtlich, dass das Projekt bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Das Unternehmen Muenet GmbH hatte im Frühjahr dem Verein die Zusage für den Glasfaserausbau in den Außenbereichen gegeben. Rund 70 Vereinsmitglieder wollten mitmachen, Landwirte, Betriebe wie Campingplätze und auch Privathaushalte.

Viel Zeit in die Planung investiert

Entsprechend groß ist der Frust und die Enttäuschung bei Timo Erler und seinen Kollegen. Denn sie haben enorm viel Zeit in das Vorhaben investiert, damit auch die Außenbereiche Glasfaser bekommen. Denn um die machen die Großanbieter wie die Telekom einen Bogen, weil die sich auf dicht besiedelte Gebiete mit hohen Anschlusszahlen und entsprechender Gewinnmarge konzentrieren.

Trassenführung musste mehrfach geändert werden

Die ersten Probleme traten schon im Mai auf. „Wir mussten mehrfach die Trassenführung umändern, weil sich Landwirte weigerten, dass das Kabel über ihre Flächen verläuft“, berichtet Erler im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Trasse war insgesamt rund 46 Kilometer lang. Rund 70 Prozent der Trasse führten über landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Dattelner Berg plötzlich Tabuzone

Besonders problematisch wurde es dann, als sich Landwirte weigerten, dass für das Glasfaserkabel der Dattelner Berg genutzt werden kann. „Das ganze Projekt war in drei sogenannte Polygone unterteilt, Nord, Mitte und Süd“, erläutert Timo Erler. „Aus wirtschaftlichen Gründen wollte Muenet die ganze Trasse an einem, Punkt an das Netz anschließen. Durch das Nein der Bauern am Dattelner Berg war das nicht mehr möglich. Wir hätten schon zwei Anschlusspunkte gebraucht, weil die Verbindung zwischen den Polygonen Nord und Mitte nicht mehr möglich war“, sagt der Vorsitzende. Dabei wären den Landwirten keine Kosten für die Kabelverlegung entstanden. Solidarität, und darauf beruhte das Projekt, sieht für Timo Erler anders aus. Das Besondere daran: Es handelt sich um ein Solidaritätsprojekt, jeder Teilnehmer sollte die gleiche Möglichkeit zu den gleichen Kosten bekommen. Und es war auch die aktive Mithilfe eines jeden Einzelnen gefragt. Denn die Muenet GmbH hätte sich nur um die technische Durchführung gekümmert und hätte die Haupttrasse verlegt. An den Stellen, wo z.B. ein Gewässer oder eine Bahnlinie gequert werden muss, wollten die Vereinsmitglieder selbst „buddeln“. Auch das Verlegen des Glasfasernetzes direkt ins Haus sollte in Eigenregie erledigt werden. Dafür gab es auch eine sogenannte „Buddelkasse“ im Verein, in die jedes Mitglied 300 Euro (für Versicherungen, Gerätschaften, Treibstoff etc.) einzahlen sollte.

Das Nein von zwei Ortsvereins-Mitgliedern ärgert besonders

Besonders bitter stößt dem Vorsitzenden auf, dass das Vorhaben auch an der Verweigerungshaltung von zwei Vorstandsmitgliedern des Landwirtschaftlichen Ortsvereins gescheitert ist. „Schließlich war es doch der Ortsverein, der das ganze Vorhaben initiiert hat“, kritisiert Timo Erler.

Jetzt soll kurzfristig ein Treffen der Vereinsmitglieder stattfinden, auf dem der nicht eingetragene Verein abgewickelt werden soll. „Schließlich sollen die Mitglieder ihre in die Buddelkasse eingezahlten Beiträge zurückerhalten“, betont der Vorsitzende. Auch die 15.000 Euro, die das Tiefbauamt der Stadt für das Projekt eingeplant hatte, werden jetzt anderweitig ausgegeben.

Stefan Huxel von der Wirtschaftsförderung will nun mit der Breitbandkoordination des Kreises sprechen. „Wir wollen schauen, ob wir Individuallösungen hinbekommen. Aber das wird schwierig und in der Regel auch dann teurer für den Einzelnen.“

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