Familienserie

Dattelner Mutter-Tochter-Gespann rockt gemeinsam ab

Es gibt viele Filme und Bücher über Mutter-Tochter-Beziehungen. Elke-Anja Voss und ihre Tochter Josy haben auch eine besondere Bindung. Die muss jetzt den ersten Trennungsschmerz aushalten.
Elke-Anja Voss und ihre Tochter Josy lieben das Leben und die Menschen. Beide genießen es, den richtigen Job gefunden zu haben und ihre Hobbys. © Martina Bialas

Josy ist mit 22 Jahren ausgezogen, um jetzt mit ihrem Herzensmann zusammenzuleben. „Das ist der berühmte, berüchtigte, aber absolut verständliche Abnabelungsprozess“, sagt Elke-Anja Voss. Trotzdem haben die beiden Frauen ein Tränchen vergossen, als es so weit war. „Meine Mutter ist eine absolute Powerfrau“, sagt Josy.

Mutter blickt auf bewegtes Berufsleben zurück

Die 53-jährige Sozialarbeiterin kann auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken. 1984 entscheidet ein Test zur Berufsfindung, dass sie nach der Schule Chemielaborantin bei den damaligen Chemischen-Werken in Hüls werden soll. Eigentlich möchte sie viel lieber ihr Abitur machen und studieren. Aber in den 80er Jahren gilt noch die Ansicht: „Mädchen heiraten und bekommen Kinder, sie müssen nicht studieren.“

Elke-Anja folgt brav diesem Rat und startet ihre dreieinhalbjährige Ausbildung, die sie aufgrund ihrer guten Leistungen bereits nach drei Jahren beendet. Sie bleibt in dem Unternehmen, auch wenn sie weiß, dass ihr Herz für Menschen, weniger für die Chemie schlägt. Sie ist 22 Jahre alt, als sie mit ihrem Sohn Tim-Helge schwanger wird, die berufliche Zukunft gerät in den Hintergrund.

1998 erfolgte der Umzug nach Datteln

1998 ist sie mit Josy schwanger und heiratet den Vater ihres zweiten Kindes. Sie ziehen nach Datteln und bauen ein Haus. Zwei Jahre dauert ihr Erziehungsurlaub, danach kündigt sie ihren Marler Job. Sie merkt, dass es für eine Mutter von zwei Kindern nicht einfach ist. Aber sie gibt nicht auf: In einem Unternehmen lötet sie Platinen für GPS-Systeme, sie arbeitet in einem Sonnenstudio, wird AVON-Beraterin und startet eine kaufmännische Weiterbildung.

Elke-Anja Voss beschließt nach diesen Odysseen ihrem Lebenstraum nachzugehen und zu studieren. Zuvor muss sie jedoch eine wichtige Hürde nehmen: das Nachholen des Abiturs. Und so landet sie mit 40 Jahren wieder auf der Schulbank. Ihr Mut wird belohnt. Nebenbei arbeitet sie weiter und kümmert sich – mittlerweile geschieden – um beide Kinder.

Studium der Sozialwissenschaften mit 43

Mit fast 43 Jahren erobert sie mit Ehrgeiz die Fachhochschule Dortmund und studiert erfolgreich „Angewandte Sozialwissenschaften“. Danach startet sie bei der Caritas Datteln durch. Nach Einsätzen im Asylbereich und im Treffpunkt Hachhausen ist sie seit dem 30. Juni die Leiterin der Demenzberatung. Josy schätzt die Unterstützung ihrer Mutter, die sie in wichtigen Entscheidungen durch sie erfährt. Nach dem Abitur und der integrierten Ausbildung zur Kinderpflegerin an der Hiberniaschule in Herne weiß auch sie, dass sie mit „Menschen arbeiten“ möchte.

Ein sechswöchiges Schulpraktikum in Russland auf einem Selbstversorgerhof mit Erwachsenen mit Behinderung bestärkt ihr Anliegen. „Das war eine der besten Zeiten meines Lebens und hat viel zu meiner Persönlichkeitsentwicklung beigetragen.“ Nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr im Johanneswerk in Datteln startet sie dort ihre Ausbildung zu Heilerziehungspflegerin.

Familie besucht gemeinsam Heavy-Metal-Konzerte

Mutter und Tochter haben auch gemeinsame Hobbys, unter anderem reisen und tanzen. „Mama hat mich mit ihrer Leidenschaft fürs Zumba tanzen angesteckt“, erzählt Josy. Mit Sohn und Bruder Tim-Helge geht es auch mal zu Heavy-Metal-Konzerten, dann wird abgerockt. Josy hat Russland durch ihren ersten Aufenthalt dort für sich als Reise-Favorit ausgemacht, Elke-Anja ist absoluter Ägypten-Fan. „Ich glaube, ich habe die Leidenschaft zu dem Land durch meine Flüchtlingsarbeit entdeckt.“ Durch Corona mussten sie umdenken und vieles neu in ihrem Tagesablauf sortieren. Über Lebensträume denken sie gerade weniger nach, Familie ist für sie wichtiger denn je geworden.

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