Belebte Innenstadt

Datteln bummelt! Kaiserwetter und Lockerungen ziehen die Leute an

Die Dattelner Fußgängerzone war am Mittwoch so belebt, wie lange nicht mehr. Tolles Sommerwetter und Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen machten vielen Leuten Lust auf einen Stadtbummel.
Nach dem langen Corona-Lockdown blüht die Dattelner Innenstadt wieder auf: Immer mehr Menschen schlendern durch die Fußgängerzone. © Meike Holz

Eine Jeansjacke und ein paar Schuhe verstecken sich am Mittwochvormittag in den Einkaufstüten, die am Handgelenk von Eileen Mielke baumeln. Gemeinsam mit ihrer Mutter, Christiane Mielke, ist die 18-jährige frischgebackene Abiturientin in der Dattelner Innenstadt unterwegs – zum Shoppen.

Christiane Mielke (li.) und Tochter Eileen sind zum Mutter-Tochter-Shoppen in der Dattelner Innenstadt unterwegs. © Simone Hollenhorst © Simone Hollenhorst

Vor Corona hätten sie das häufiger zusammen gemacht, sagt das Mutter-Tochter-Gespann. Jetzt ist es wieder eine ihrer ersten Einkaufstouren. „Es ist so schön, einfach mal wieder shoppen zu gehen“, sagt Eileen Mielke. Vor allem spontan, ohne Test und Termin. So lassen sich die beiden treiben, bummeln mit ihren Einkäufen zunächst noch durch die Stadtgalerie.

Spontankäufe und Kleidung: Das hat im Lockdown gefehlt

Mama Christiane verschwindet nochmal eben in einem Deko-Laden, stöbert ein bisschen und kauft dort eine Kleinigkeit. „Spontankauf“, sagten die beiden und lachen. Im Anschluss zieht es sie noch in die Fußgängerzone. Sie schauen überwiegend nach Kleidung. Denn: „Im Lockdown haben wir nur das Nötigste online gekauft“, erzählen sie. „Ich schaue immer lieber direkt im Geschäft und probiere an, vor allem wegen der Größen“, sagt Eileen Mielke.

Vielen Bürgern geht es ähnlich. Analoges Einkaufen scheint gefragt: So herrscht in den Läden geschäftiges Treiben: In den Schuhgeschäften werden Sandalen, Sneaker und Sommerschuhe anprobiert, es wird an Ständen und Auslagen gestöbert und vor der Parfümerie verrät eine Duftwolke, dass dort fleißig Flacons durchgeschnuppert werden. Die Verkäufer haben alle Hände voll zu tun, ein Großteil der Geschäfte erhält jetzt neue Ware, Schaufenster und Puppen müssen umgezogen und dekoriert werden.

Straßenmusiker und Schulausflügler in der Innenstadt

Seit einiger Zeit geht wieder ganz viel, was zu Corona-Hochphasen nicht ging: Da ist der Straßenmusiker, der vor Geiping Klarinette spielt. Da ist die Schulklasse, die offenbar einen kleinen Ausflug macht und anfängt zu tanzen, als der Musiker „Bella Ciao“ anstimmt. Da ist eine Frau, die als „wandelnde Litfaßsäule“ Psalmen aus der Bibel in die Welt hinausträgt und versucht, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Oder die Verkäuferin, die gestern an ihrem Geburtstag spontan von Freunden und Kolleginnen mit einem Blumenstrauß auf der Arbeit überrascht wird.

Und man sieht wieder Gesichter, viele entspannte, lachende und fröhliche. Denn auch in der Innenstadt gilt keine Maskenpflicht mehr. Nur in den Geschäften, auf dem Markt und in der Stadtgalerie ist das Tragen einer Maske noch Pflicht. Das Flanieren an der frischen Luft geht „oben ohne“. Das scheinen viele Leute zu genießen. Die meisten haben ihre Maske am Handgelenk oder am Hals baumeln. Manch einer behält seinen Mund-Nasen-Schutz aber auch freiwillig auf. Und es gibt auch Bürger, bei denen sich angesichts einer gut besuchten Fußgängerzone und zahlreichen Leuten ohne Maske ein ungutes Gefühl einstellt. So wie bei einer Dattelnerin, die mit ihrer Tochter auf einer Bank Pause macht. „Ich hab schon ein mulmiges Gefühl, wenn es jetzt etwas voller ist“, sagt sie. Ein anderer Passant raunzt „vierte Welle“, als er an einer gut gefüllten Terrasse vorbeiläuft.

Einkehren nach dem Stadtbummel: Die Gastronomie ist gut gefüllt

Denn auch das gehört zu einem guten Stadtbummel bei schönem Sommerwetter: Spontan einkehren, um sich zu stärken. Viele Tische auf den Außenterrassen der Cafés sind schon am Vormittag voll, die Dattelner lassen sich Kaffee, Kaltgetränke, Eis oder Frühstück schmecken. So wie die sechsköpfige Frauen-Truppe, die vor Köster’s Kaffeehaus ein passendes Plätzchen unter einem der großen Schirme gefunden hat. Es ist ihr erstes Treffen seit langer Zeit. Dementsprechend viel haben sie sich zu erzählen, es wird nach Herzenslust geklönt und gelacht. Die Frauen kennt sich schon einige Jahre – von ihren Kindern aus dem Kindergarten, aus der Nachbarschaft und vom Kegelclub.

Eine Frauenrunde hat es sich vor dem Traditionskaffeehaus Köster’s gemütlich gemacht. © Simone Hollenhorst © Simone Hollenhorst

Vor Corona haben sie sich regelmäßig getroffen. Jetzt sind alle froh, endlich mal wieder in großer Runde zusammen sitzen zu können. Zwar konnten sie den Kontakt zueinander im Lockdown gut halten. „Whatsapp sei Dank“, sagen sie. Doch den persönlichen Plausch kann das natürlich nicht ersetzen. So eine lange „Durststrecke“ wollen sie auf jeden Fall nicht nochmal erleben. Künftig wollen sie sich wieder regelmäßiger sehen. Und sogar gemeinsam in den Urlaub fahren. „Nächstes Jahr, nach Borkum. Schon gebucht“, flöten sie gut gelaunt.

Der Abend in Datteln

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