Urlaubszeit

Corona sorgt für Campingboom

Stundenlanges Maske tragen im Flieger, Hochinzidenz-Urlaubsländer, drohende Quarantäne bei der Rückkehr: Das alles sorgt in Datteln für einen Camping-Boom.
Urlaubsidylle in Datteln: Friedrich Schnieder, Betreiber des Erholungsparks Wehlingsheide, steht vor der schönen Teichanlage, die zur Erholung einlädt. © Martin Pyplatz

Sabrina Staschok aus Mönchengladbach und ihre Freundin Sandra Waldraff haben sich mit ihren Kindern Jonah, Lea Lias und Ben bewusst für ein Camping-Wochenende entschieden – und zwar im Erholungspark Wehlingsheide. Sie hatten zwar zuerst mit Holland geliebäugelt. Aber wegen der hohen Inzidenzzahlen dort wollten die beiden auch wegen einer möglichen Quarantäne lieber in Deutschland bleiben.

Über Google nach Datteln gekommen

Sie wollten in einem Campingfass übernachten, starteten über Google eine Abfrage und landeten in Datteln im Erholungspark Wehlingsheide. Und für beide steht fest: „Wir kommen wieder. Dann auch für eine längere Zeit.“ Denn der Trip nach Datteln hat allen gut gefallen. Und sie haben im Freundeskreis auch schon kräftig Werbung für den Erholungspark gemacht.

Das hört Friedrich Schnieder, Besitzer der Anlage, natürlich gerne. Und die beiden Frauen sind nicht die einzigen, die die Anlage loben. Der ADAC vergibt für den Erholungspark vier Sterne und wird als „Tipp 2021“ gelistet. Schnieder ist überzeugt davon, dass sich die Pandemie nachhaltig positiv auf die Buchungszahlen auswirkt, auch wenn es natürlich während des Lockdowns und der Schließung auch finanzielle Einbrüche gab. „Die Leute entdecken für sich in dieser Phase das Camping“, sagt Schnieder.

Glamping steht hoch im Kurs

Vor allem das luxuriöse Camping – das sogenannte Glamping (Glamourous Camping) – steht laut Schnieder hoch im Kurs. Und da hat der Dattelner im Erholungspark auch eine ganze Menge zu bieten. Die Wellness-Bungalows mit Sauna und Pool seien zu 100 Prozent ausgelastet, sagt der Campingplatzbetreiber. Auch wenn es mit 150 Euro pro Nacht nicht gerade preiswert ist. Gleiches gilt für die Stellplätze mit einem eigenen Sanitärbereich.

Riesiger Ansturm nach dem ersten Lockdown

Der Ansturm nach der Öffnung nach dem ersten Lockdown im letzten Jahr war riesig. „Ich betreibe den Platz seit 25 Jahren, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, berichtet der 67-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Menschen wollten einfach nur raus.“ Die Telefone hätten nicht mehr stillgestanden. Die Kundschaft sei auch eine andere gewesen, nicht die klassischen Camper. Inzwischen habe sich das etwas geändert. Die Gäste sind inzwischen besonnener und entscheiden sich bewusst für das Campen. Und noch eine Veränderung hat Friedrich Schnieder registriert. In der Vergangenheit haben die Buchungen für ein langes Wochenende dominiert. Inzwischen entscheiden sich die Gäste für einen längeren Aufenthalt im Erholungspark, was natürlich auch für eine bessere Auslastung in der Woche sorgt.

Datteln ist die Campinghauptstadt in NRW

Natürlich hat sich der Erholungspark auch auf Corona eingestellt. Online einchecken und bezahlen, Schlüsselabgabe über ein Fach im Außenbereich der Rezeption-Buchungen – Kontaktvermeidung heißt das Schlagwort.

Datteln gilt als die Camping-Hauptstadt von NRW. Hier gibt es zwölf Campingplätze mit rund 1700 Stellplätzen – Tendenz steigend. Davon sind ca. 1560 Dauercampingstellplätze und ca. 140 Parzellen für Touristikstellplätze. Außerdem gibt es 70 Wohnmobilheime. 2020 zählte Datteln rund 6500 touristische Gäste (exklusive Dauercamper). Während der Corona-Pandemie haben die Dauercamper ihre Anlagen sehr intensiv genutzt, teils sogar mehrere Monate am Stück. Die Wartelisten für einen Dauercampingplatz sind bei allen Betrieben durchweg sehr lang.

Einige Dattelner Campingplätze investieren aktuell in den Ausbau der Anlagen. Waschhäuser wurden zu modernen Familienbädern renoviert, um den gestiegenen Anforderungen der Gäste gerecht zu werden. Auch die Anzahl der Tourismus-Stellplätze wird aktuell ausgebaut. Und auch „Glamping“ – der neuste Camping-Trend – ist in Datteln möglich.

Rasanter Anstieg bei den Wohnmobilen

Die Nachfrage nach Campingfahrzeugen in Deutschland ist in der Corona-Pandemie enorm gestiegen. Vor allem Wohnmobile haben 2020 einen regelrechten Boom erlebt. Laut Angaben des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) wurden von Februar 2020 bis Januar 2021 rund 78.180 Wohnmobile neu zugelassen. Das waren 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der neu zugelassenen Wohnwagen stieg von 27.212 Caravans im Vorjahr auf 28.684 in den vergangenen zwölf Monaten.

Der Abend in Datteln

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