Coronalage im St. Vincenz

Corona-Prämie und die Sorge vor der vierten Welle im Krankenhaus

Die Corona-Lage im St.-Vincenz-Krankenhaus hat sich deutlich entspannt. Die Folgen der Pandemie aber werden noch länger zu spüren sein, unabhängig von einer möglichen vierten Welle.
376 Covid-19-Patienten wurden bislang im St. Vincenz behandelt, 80 Prozent davon aber nicht auf der Intensiv-, sondern der Infektionsstation. © picture alliance/dpa

Dass diese kommen wird, davon ist Geschäftsführer Wolfgang Mueller fest überzeugt. Denn es sind Millionen von Menschen noch nicht durchgeimpft. Und die Personen ohne Impfschutz würden genauso an Covid-19 erkranken wie in den Wellen eins bis drei. Offen ist für Mueller allerdings noch, welche Folgen das für die Krankenhausversorgung und die stationäre Belegung haben wird.

Die Lage hat sich normalisiert

Aktuell befindet sich ein Covid-19-Patient im St. Vincenz – und zwar auf der Infektionsstation. Es sei der erste Patient seit vier Wochen, sagt der Geschäftsführer. Auch sonst hat sich die Lage im Krankenhaus normalisiert. Besuche der Patienten sind wieder möglich, wenn auch noch eingeschränkt auf täglich einen Besuch für eine Stunde.

Seit Beginn der Pandemie im März 2020 wurden im St. Vincenz 376 Patienten mit Corona behandelt. 2020 waren es nach Angaben Muellers 175, in diesem Jahr waren es bislang 201. Auch ohne Corona ist die Intensivstation der Klinik gut belegt. „Wenn ein Krankenhaus normal arbeitet, ist die Intensivstation voll, eine Auslastung von 80 bis 85 Prozent ist der Alltag“, sagt Mueller.

Hauptschlacht wurde auf den Infektionsstationen geschlagen

Apropos Intensivplätze: Wolfgang Mueller kritisiert, dass in der öffentlichen Corona-Diskussion immer die Anzahl der Intensivplätze im Fokus stehe. Außer Acht gelassen werde dabei aber immer, dass 80 Prozent der Corona-Patienten auf der Infektionstation behandelt wurden. „Ohne die Leistung auf der Intensivstation schmälern zu wollen, aber die Hauptschlacht wurde auf den Infektionsstationen geschlagen“, sagt der Geschäftsführer.

Pro zusätzlichem Intensivplatz gab es 50.000 euro

Zu Beginn der Pandemie hat das St. Vincenz die Zahl der Intensivplätze von 14 auf 26 erhöht. Zusätzliche Kapazitäten wurden im vierten Obergeschoss geschaffen. Dafür gab es vom Land 600.000 Euro (je Platz 50.000 Euro). „Das Geld haben wir für zusätzliches Equipment auch wieder ausgegeben. Es reicht ja nicht, einfach ein Bett hinzustellen“, sagt Wolfgang Mueller. Inzwischen wurde die Zahl von 26 wieder auf 18 reduziert. Binnen 24 Stunden könne das Krankenhaus aber wieder auf 26 hochfahren.

2020 kamen 2500 Patienten weniger

Wie die anderen Kliniken hatte auch das St. Vincenz Betten für Corona-Patienten freihalten müssen. Dafür gab es eine Ausgleichszahlung vom Bund. Gut sieben Mio. Euro hat das St. Vincenz darüber erhalten. Inzwischen sind diese Zahlungen aber ausgelaufen. Aber dieses Geld konnte die Klinik auch gut gebrauchen. Denn die Kehrseite der Medaille: Laut Wolfgang Mueller hat sich die Pandemie negativ auf die Patientenzahlen und damit auch auf die wirtschaftlich Lage des Betriebs ausgewirkt. Mueller spricht von rund 2500 Patienten, die die Klinik 2020 im Vergleich zu einem normalen Jahr weniger behandeln konnte. Das lag natürlich auch an der Sorge der Patienten vor einer möglichen Ansteckung während des Klinik-Aufenthalts. Nötige Behandlungen wurden einfach verschoben oder ausgesessen, obwohl eine Erkrankung nicht warten kann. Vor Corona verzeichnete das St. Vincenz entgegen dem Trend steigende Patientenzahlen. 2019 zählte das Krankenhaus 18.700 Patienten. Für Wolfgang Mueller steht fest: Das Jahr 2021 wird schwieriger als 2020. Es werde noch eine geraume Zeit dauern, bis man das Niveau vor Corona erreicht.

Für Mitarbeiter gibt es eine doppelte Prämie

Was den Geschäftsführer freut, ist die Tatsache, dass im Juni die Corona-Prämie an die Mitarbeiter ausgezahlt werden konnte – und zwar gleich zweimal. 270.000 Euro gab es von Gesundheitsminister Spahn. 600 Euro gab es für Pflegekräfte, 250 Euro für alle, die nicht im Pflegebereich arbeiten. „Der Mitarbeitervertretung war es sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter davon profitieren. Schließlich habe in der Pandemie auch jeder sein Päckchen zu tragen gehabt“, sagt Mueller. Das St. Vincenz hat zusätzlich auch eine Prämie ausgeschüttet, gestaffelt in 600, 400 und 300 Euro. „Es war uns wichtig, ebenfalls Anerkennung und Wertschätzung für die Mitarbeiter zu demonstrieren“, sagt der Geschäftsführer. Und das hat sich die Klinik 400.000 Euro kosten lassen.

Die Belastung der Mitarbeiter insbesondere im medizinischen und im Pflegebereich sei zweifelsohne extrem gewesen. In den letzten Monaten war wiederholt zu hören, dass zum Beispiele einige Mitarbeiter auf der Intensivstation angesichts dieser Belastung das Handtuch geworfen haben. „Von solchen Frustkündigungen habe ich hier bei uns nichts gehört“, erklärt der Geschäftsführer. Die Klinikleitung hat die Mitarbeiter mit dieser Belastung aber auch nicht allein gelassen. Mueller verweist zum Beispiel auf Supervisionsangebote für Mitarbeiter. Der Geschäftsführer ist davon überzeugt, dass die Mitarbeiter in den letzten Monaten enger zusammengerückt sind. „Für das Miteinander und das Teambuilding war die Pandemie nicht schlecht.“

Von einer Impfpflicht für Personal im Gesundheitsbereich, wie sie aktuell Frankreich einführt, hält Vincenz-Geschäftsführer Wolfgang Mueller nichts. Das sei hier auch nicht diskutiert worden, betont er. Er hält das aber auch nicht für erforderlich, weil sich im Dattelner Krankenhaus rund 95 Prozent der Mitarbeiter impfen lassen haben. Die Bereitschaft sei sehr hoch. Wolfgang Mueller führt das auch darauf zurück, dass es am St. Vincenz eine sehr breit angelegte Aufklärungskampagne in Sachen Schutzimpfung gegeben habe, unter anderem Impf-Sprechstunden. Der Geschäftsführer ist überzeugt, dass man mit der Einführung einer Impfpflicht auch viel Vertrauen verspiele.

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