Videos aus dem Keller

Beliebter YouTube-Heimwerker: Hunderttausende gucken Andys Werkstatt

Jeden Freitag klingelt es bei 98.700 Menschen auf YouTube in ihren Abo-Boxen: Ein neues Video von Andys Werkstatt ist online. Prompt wandern hunderttausende Blicke nach Oer-Erkenschwick.
Der Oer-Erkenschwicker Andreas Küp ist mit einem Heimwerker-YouTube-Kanal sehr erfolgreich. Hunderttausende schauen ihm bei seinen Projekten zu. © Meike Holz

500.000 Menschen oder mehr hat der Stadtteil Oer in Erkenschwick wohl noch nie gesehen. Doch diese beachtliche Anzahl an Menschen aus ganz Deutschland sowie dem Ausland blicken regelmäßig in einen kleinen, unscheinbaren Oerer Keller. Sie schauen nicht etwa persönlich vorbei, sie verfolgen das bunte, manchmal chaotische und manchmal auch laute Treiben am PC, Laptop oder auch am Handy. Denn besagter Keller ist unter dem Namen „Andys Werkstatt“ zahlreichen Heimwerkern und solchen, die es werden wollen, ein Begriff. Benannt ist der Kanal auf der Video-Plattform YouTube nach Andreas Küp (56). Seit zehn Jahren wohnt der gebürtige Dortmunder im Ostvest – die Liebe hat ihn hier her verschlagen.

Mit einem Höhenmesser fing in „Andys Werkstatt“ alles an

Vor viereinhalb Jahren stellte Küp das erste Heimwerker-Video auf den Kanal. „Höhenmesser für Oberfräse und Tischkreissäge selber machen“ lautete der Titel für seine do-it-yourself-Anleitung. Der seit jeher begeisterte Heimwerker nahm dafür seine Arbeitsschritte auf und unterlegte das Video mit Musik. Seine Stimme war nicht zu hören, sein Gesicht nicht zu sehen. „Ich würde heute alles anders machen“, sagt der 56-Jährige.

Große Auswahl gibt es an den Wänden in „Andy‘s Werkstatt“.
Große Auswahl gibt es an den Wänden in „Andys Werkstatt“. © Meike Holz © Meike Holz

Denn mittlerweile hat er eine Menge Erfahrung sammeln können, erklärt seine Arbeitsschritte detailliert und ist auch eine sichere Bank vor der Kamera geworden. „Die ersten Male vor der Kamera waren sehr ungewohnt“, resümiert er, „man hat ja quasi im Keller mit sich selber geredet.“ Aller Anfang ist schwer und so verhaspelte sich der sympathische Heimwerker mal hier und da oder ihm fielen Namen von Werkzeugen, die er tagtäglich benutzt, nicht mehr ein. Eins war er aber immer: er selbst. Und heute, mit vier Jahren und hunderten Videos an Erfahrung stellt er sich an seine Werkbank und redet einfach drauf los, begrüßt seine Zuschauer und führt sprachlich sicher durch seine Videos.

1000 Abonnenten waren das Ziel – 12.000 wurden es im ersten Jahr

Die Idee, Videos aufzunehmen, kam ihm nach der Aufgabe einer Firma. „Ich war immer selbstständig, also habe ich mir ein neues Projekt gesucht“, sagt er. Einen solch rasanten Aufstieg hätte sich der Oer-Erkenschwicker allerdings nicht erträumen lassen, doch er habe sich immer Ziele gesetzt, sagt er. „Ich habe zu meiner Frau gesagt, wenn ich im ersten Jahr 1000 Abonnenten habe, bin ich zufrieden“, sagt Küp. Es sollte nur knapp zwei Monate dauern, da war diese Marke geknackt. „Und Ende 2017 waren es dann schon 12.000 Menschen, die meinen Kanal abonniert hatten.“

Damals wie heute ist „Andy“ seinem Motto treu geblieben: Jede Woche gibt es ein neues Projekt. „Am Anfang sogar zwei Projekte pro Woche, um bekannter zu werden“, sagt er. Der Arbeitsaufwand ließ das aber schnell nicht mehr zu. Denn mit seinem Kanal sind auch seine Projekte gewachsen. Am liebsten arbeitet Andreas Küp mit Echtholz. Und während er anfangs noch ein Mühle-Brettspiel, einen Träger für sechs Flaschen Bier oder einen Erste-Hilfe-Schrank gebaut hatte, wurde der Arbeitsaufwand bei seiner eigenen Gartenhütte, seiner Terrasse oder einem Balkenbett schon deutlich größer.

Großprojekte brauchen Zeit: Eigene Gartenhütte bringt zwölf Stunden Material pro Teil

„Für die Gartenhütte hatte ich zwölf Stunden Videomaterial, das gesichtet, bearbeitet und geschnitten werden musste“, erklärt Küp seine Arbeit, wenn er nicht gerade vor der Kamera steht. Daraus entstanden sind sieben Teile, die jeweils zwischen 13 und 20 Minuten lang sind – jeweils mit acht bis zwölf Stunden Material. Aber auch hier habe Küp dazugelernt: „Ich mache keine Mehrteiler mehr, wenn es sich vermeiden lässt. Das ist ja das Schöne an YouTube, die Leute können sich selber mehrere Teile aus einem Video machen.“ Wer ein Video auf der Plattform unterbricht, startet beim erneuten Besuch auf der Video-Seite direkt wieder dort, wo er aufgehört hat.

Andreas Küp bei der Arbeit. Im Baumarkt gibt es für ihn nichts mehr zu kaufen, sagt er. Er hat bereits alles.
Andreas Küp bei der Arbeit. Im Baumarkt gibt es für ihn nichts mehr zu kaufen, sagt er. Er hat bereits alles. © Meike Holz © Meike Holz

Vollzeit-YouTuber ist der Oer-Erkenschwicker nicht, er arbeitet halbtags im IT-Bereich. Dennoch verdiene er natürlich Geld mit seinen Videos, das Betreiben von Kanal und Homepage koste schließlich auch etwas. Das Heimwerker-Video mit den meisten Klicks ist dabei der Bau eines sogenannten „River Tables“, also einem Tisch, der in der Mitte zwischen zwei Holzelementen eine Schicht aus Gießharz beinhaltet, die der Form eines Flusses entspricht. Knapp 700.000 Mal wurde dieses Video geklickt. Kurios: Es ist nicht das Video mit den meisten Aufrufen auf „Andys Werkstatt“. Denn das hat überhaupt nichts mit Heimwerken zu tun. Der Spitzenreiter zeigt die beiden Australian Cattle Hunde der Familie Küp, wie sie am Strand und im Wasser herumtoben.

Auch Fehler werden gezeigt – das kommt bei den Zuschauern gut an

Seine Zuschauer stehen voll und ganz hinter dem 56-Jährigen. In den Kommentaren gibt es viel Lob für die Arbeit. Für manche Projekte fertigt Küp sogar Bauanleitungen an, die dann nachgebaut werden können. „Mir werden dann Fotos geschickt und manchmal sehen die Ergebnisse deutlich besser aus als bei mir“, sagt er und fängt an zu grinsen. Denn eine Sache ist Andreas Küp weder in seinen Videos noch privat nicht. „Ich bin nicht perfekt, warum soll ich dann vor der Kamera perfekt sein?“, fragt er sich. Und so sehen seine Zuschauer auch Videos von gescheiterten Projekten, sogenannten „fails“ oder dürfen daran teilhaben, wenn der Heimwerker an seinen Projekten verzweifelt. Das Handwerk hat Küp nicht beruflich gelernt, manches macht er nach Augenmaß, für manches hat er seine eigene Technik. Doch seinen Zuschauern zeigt er immer einen Weg auf, wie sie zum Ziel gelangen – oder auch nicht.

Meilenstein steht bevor: 100.000 Menschen folgen „Andys Werkstatt“

Nun steht viereinhalb Jahre nach dem ersten Video der nächste große Meilenstein vor der Tür: 1300 Abonnenten fehlen noch, dann folgen ihm 100.000 Menschen auf YouTube. Die Plattform gibt dafür einen silbernen „Play Button“ als Anerkennung heraus. Groß feiern, in Form eines Videos oder ähnlichem, wird Küp diese Marke nicht, die Freude ist aber dennoch groß.

Sogar „eigenes” Werkzeug mit seinem Logo gibt es von „Andys Werkstatt“. © Meike Holz © Meike Holz

Mithilfe seiner Sponsoren gibt es sogar mittlerweile Werkzeug, auf das sein eigenes „Andys Werkstatt“-Logo draufgedruckt ist zu kaufen. „Die Leute benutzen es teilweise nicht, sondern stellen es sich in die Vitrine zum Anschauen“, ist Andreas Küp etwas stutzig.

Und auch in der Öffentlichkeit ist er schon länger nicht mehr gänzlich unbemerkt. „Im Baumarkt werde ich schon öfter angesprochen“, sagt er – auf Fachmessen sowieso. Autogrammkarten hat er nicht und anfangs sei es ein komisches Gefühl gewesen, danach gefragt zu werden. Mittlerweile unterschreibt er einfach auf seinen Logo-Stickern.

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