Familiengeschichten

Bei Familie Radek herrscht geballte Frauenpower

Es wird gelacht, gezwitschert, Tacheles geredet, geplant und bestimmt: Die Power der Radek-Frauen ist nicht zu unterschätzen, wenn sie zusammenkommen. Um sie geht es dieses Mal bei den Dattelner Familiengeschichten.
Das Familienoberhaupt Elfriede Radek darf sich mit dem jüngsten Urenkelkind Mara vorne weg positionieren, es folgen Schwiegertochter Anne, die Enkelinnen Weena, Nicole, Nadine und die weiteren Urenkelinnen Lia und Ana. Ein Treffen mit jeder Menge Frauenpower ist wieder erlaubt. © Martina Bialas

Die Radek-Männer suchen sich dann ihr Plätzchen und lassen ihre Herzensdamen mal machen, wohl wissend, dass sie keine Chance haben.

Mittendrin Mutter, Oma und Uroma Elfriede Radek. Schick frisiert und gekleidet ist sie mit ihren 89 Jahren das eigentliche Oberhaupt der Familie. Ein Dattelner „Kind“, das im November 90 Jahre alt wird. „Ich hoffe, dass ich dann meine gesamte Familie zum Essen in ein Restaurant einladen kann“, sagt sie. Sie wohnt alleine in ihrem Zuhause, zweimal am Tag kommt ein Pflegedienst vorbei, Elfriede Radek erhält dann ihre Spritze gegen Diabetes.

Die ehemalige Friseurin gibt ihren Beruf auf, als sie mit 21 Jahren heiratet und ihre Kinder zur Welt kommen. Ihre Familie ist ihr wichtig. Der ehemalige Bürgermeister Friedrich Schneider, war ihr Vater und aufgrund seiner vielen Termine nur unterwegs. Das Familienleben hat darunter gelitten.

Rezeptbuch für alte Familienrezepte

Elfriede Radek möchte für alle da sein. „Meine Familie ist mein Hobby, einmal in der Woche koche ich für die gesamte Bande.“ Dabei berücksichtigt sie die Allesesser, zwei Vegetarierinnen, von denen eine wenigstens Fisch isst und die „Weight Watchers-Tanten“. Kein leichtes Unterfangen, aber Eintöpfe, Rouladen und Gulasch gehen irgendwie immer. „Manchmal gibt es auch ein Dreigänge-Menü“, ergänzt die Bande und freut sich schon auf das nächste kulinarische Glanzlicht.

Damit die Familienrezepte nicht verloren gehen, hat Urenkelin Lia ein Rezeptbuch organisiert, in dem ihre Uroma alles handschriftlich festhält. Ihre Shopping-Touren setzt Elfriede Radek alleine um. „Ich weiß am besten, was mir steht“, sagt sie keck und leuchtet fröhlich in ihrer mintfarbenen Bluse. Bei der Gartenarbeit dagegen nimmt sie gerne Hilfe an, das funktioniert alleine nicht mehr. „Meine Hände machen leider nicht mehr so mit“, gibt sie offen zu. Ihre Schwiegertochter Anne ist gleich nach ihr das zweite Oberhaupt der großen Familie, beide Frauen sind sich sehr ähnlich.

„Die Juniorchefin der nächsten Generation“

Elfriede Radek unterscheidet nicht zwischen eigenen Kindern und Schwiegerkindern, Anne nennt sie Mutter. „Wir haben uns lieben gelernt und meine Eltern leben nicht mehr“, sagt die 64-Jährige. Auch Weena Rudolph, die älteste Enkelin, das erste Mädchen in der Familie, hat ihre Position in der Großfamilie gefunden. „Ich bin die Juniorchefin der nächsten Generation, aber gegen die beiden ,alten Tanten‘ habe ich keine Chance, auch wenn ich zu unlauteren Mitteln greife“, lacht die 46-Jährige vergnügt. Dabei kann sie zur Verstärkung ihre vier Kinder mit ins Feld führen.

Enkeltochter Nicole Radek reist zu den vergnüglichen Frauentreffen aus Gelsenkirchen an und mischt gerne mit. Nadine Dreischhoff hat zwar ihren Namen eingetauscht, aber nicht das Mitspracherecht. Sie ist die Chefin des Jason-Radek-Fonds und behält die Organisation im Auge. Ehrensache, dass ihr nicht nur ihre neunjährige Tochter Mara hilft, die gesamte Familie ist mit an Bord. Der Verein, der nach dem Tod ihres Sohnes Jason gegründet wurde, unterstützt Kinder mit schweren Erkrankungen und Behinderungen. Das Team Radek hat ihn mit vielen ehrenamtlichen Helfern weit über die Grenzen Dattelns hinaus bekannt gemacht und sammelt viele Spenden.

Enkeltochter geht nach dem Abitur zur Bundeswehr

Elfriede Radek staunt gerade über ihre Enkeltochter Ana. Sie hat jetzt nach dem erfolgreichen Bestehen des Abis beschlossen, zur Bundeswehr zu gehen. „Die Welt hat sich verändert und es ist für die Menschen nicht unbedingt leichter geworden, auch die Frauen gehen heute alle arbeiten“, stellt die 89-Jährige fest. Enkeltochter Jessica korrigiert berechtigt: „Oma, die Frauen müssen heute oft aus finanziellen Gründen arbeiten gehen.“ Und schon gibt es eine lebhafte Diskussion untereinander. Damit die Kommunikation zwischen allen funktioniert, haben sie die „WhatsApp-Gruppe-Oma-Friede“ eingerichtet. Hier kann jeder Tullux und Wichtiges hinterlassen, damit man sich nicht aus den Augen verliert.

Der Abend in Datteln

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt