Familienserie

Bei dieser Familie aus Datteln ist nichts für die Katz

Sonntags trifft sich Familie Rusche im heimischen Datteln zum „lecker Mittagessen“ - ein Ritual. Das Quartett hält zusammen, großes und kleines Theater gibt es nur auf der Bühne.
Gerd, Doris, Guido und Pascal Rusche haben nicht nur gemeinsame Hobbys, aktuell renovieren sie ihr Haus. © Martina Bialas

Selten waren sie gemeinsam in einem Stück unterwegs. Pascal erinnert sich: „Guido und ich sind 1984 mit unserer Mutter in dem Märchen ‚Die verzauberten Brüder‘ aufgetreten.“ Die Hauptrollen bleiben den echten Brüdern verwehrt, sie sind als bewegliche Hühnerfüße des Hexenhauses unterwegs. In dem Jugendstück „Aidsfieber“ spielen sie mit dem heutigen Bürgermeister André Dora in Waltrop vor zwei Zuschauern.

Pascal befindet sich in einer Dauerschleife und kommt über Seite sechs des Rollenbuchs nicht hinaus. Guido beschließt, sich so etwas nicht mehr anzutun und entdeckt sein Talent als Bühnenmaler. Pascal übernimmt noch die eine oder andere Rolle, findet sich dann mit Guido eher am Technikpult wieder. Ihr Vater Gerd hat nie eine Rolle übernommen.

Der 78-jährige Metzgermeister ist der ruhende Pol in der Familie. Er hatte sich im ATAD für den Bühnenbau entschieden und sorgte mit seinem Team dafür, dass sich angebrachte Türen und Fenster öffnen ließen, keine Wand umfiel, alles tapeziert wurde und er trickste erfolgreich die Illusion großer Räumlichkeiten auf die sonst karge Bühne. Oft gab es Applaus vom Publikum, wenn sich zu Beginn des Theaterstückes der Vorhang öffnete und der schöne Schein alle blendete. Ganz anders ist Ehefrau und Mutter Doris bis heute unterwegs.

Nur ein Satz im „Weißen Rössl“

Sie spielt sich mit Leidenschaft durch alle Rollen, die ihr angeboten werden. An ihre erste Rolle kann sie sich noch genau erinnern: Eine Angestellte im Lustspiel „Weißes Rössl“ mit genau einem Satz. Den beherrscht sie bis heute im Schlaf. Ihren Gerd lernt sie 1963 beim Groschenfest in der Kellerklause in der Stadthalle kennen und überzeugt ihn nicht nur von sich, sondern auch von dem kleinen Theaterverein. Bei der „Einen-Satz-Rolle“ bleibt es für die heutige 74-Jährige nicht.

Sie agiert laut oder verhuscht, lieb und verschlagen oder auch mal betrunken und hat viel zu sagen. Ihr bisherige Lieblingsrolle: Tante Abby in „Arsen und Spitzenhäubchen“. Auch hier hat sie noch einen prägenden Satz im Hinterkopf: „Auf vier Liter Holunderwein nehme ich einen Teelöffel Arsenik, dazu kommt noch ein halber Teelöffel Strychnin und dann zum Schluss noch eine ganz kleine Prise Zyankali. Das dürfte genügen.“

Sie entwickelte sich von Rolle zu Rolle weiter, zwischendurch erhält sie aber auch mal den „Hänger der Saison“ von ihren Kollegen, wenn es nicht so läuft, wie es laufen soll. Sie wiederum sorgt auch in Souffleusen-Einsätzen dafür, dass ihren Mitspielern niemals die richtigen Worte ausgehen. 20 Jahre behielt sie als Kassiererin die Finanzen und Mitgliedsbeiträge des Vereins im Blick und weitere 20 Jahre führte sie als Vorsitzende den Verein durch Höhen und Tiefen. Den Part hat sie vor einigen Jahren an ihren Sohn Guido vererbt.

Bühnenbauer ist kritischer Zuschauer

„Es war kein anderer da, der sich zur Wahl stellte“, korrigiert sie lächelnd das Vererben. Auch Gerd korrigiert noch seine Nicht-Bühnen-Einsätze: „Mich hat nie jemand gefragt.“ So ist er nach den Bühnenbaueinsätzen ein kritischer Zuschauer, der den Darstellern fest die Daumen drückt und hofft, dass alles gut läuft.

Pascal leitet heute ein Jugendzentrum in Duisburg-Rheinhausen. Er und sein Team sind für die Betreuung von täglich 50 bis 100 Kindern sechsmal in der Woche verantwortlich. Er muss viel Kreativität im Job beweisen, seine angebotenen Theaterkurse kamen bei den Jugendlichen allerdings nicht an. „Sie haben schnell bemerkt, dass Bühne etwas anderes ist, als Filmchen auf Instagram einzustellen.“ Als Vorsitzender im Bund der katholischen Jugend (BDKJ) vertritt er die Interessen von 3500 Jugendlichen und ist immer am Puls der Zeit.

Der große Garten der Rusches steht dem ATAD für Kinder- und Sommerfeste zur Verfügung, Gerd gibt dann den Grillmeister. Beständigkeit wird in dieser Familie großgeschrieben, seit 1973 ist das Ehepaar in einem Kegelverein aktiv. Und Doris hat als langjährige kfd-Vorsitzende St. Marien im Dümmer 30 Jahre Rosen an geehrte Mitglieder verteilt. „Nur für die Katz“, heißt lediglich die ATAD-Parole, für die Familie Rusche gilt sie nicht.

Das ist die Familie Rusche
  • Gerd Rusche, geb. in Datteln, 78 Jahre, Fleischermeister, verheiratet mit Doris, geb. in Datteln, 74 Jahre, Sparkassenangestellte, mit den Söhnen Guido, 47 Jahre, staatlich geprüfter Informationstechnischer Assistent, Pascal, 45 Jahre, Diplom-Sozialarbeiter und Heimleiter.
  • Diese Serie endet heute.

Der Abend in Datteln

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