Stunde der Gartenvögel

Amsel, Meise, Fink und Star – Bürger sollen die Vogelschar zählen

Sie schlägt wieder, die Stunde der Gartenvögel. Der Naturschutzbund (Nabu) Ostvest ruft wieder dazu auf, die Piepmätze im Garten zu zählen.
Bei der Stunde der Gartenvögel wird sich auch zeigen, ob sich der Bestand an Blaumeisen erholt hat. Eine neuartige Bakterieninfektion hatte im vergangenen Jahr zu einem Massensterben geführt. © picture alliance / Holger Hollemann/dpa

Vom 13. bis 16. Mai findet deutschlandweit die 17. Stunde der Gartenvögel statt. Der NABU Ostvest – zuständig für Oer-Erkenschwick, Waltrop und Datteln – ruft dazu auf, eine Stunde lang Vögel zu beobachten, zu zählen und zu melden. „Unsere Stunde der Gartenvögel hatte in den vergangenen Jahren starke Teilnehmerzuwächse zu verzeichnen. Über das große Interesse an der heimischen Natur freuen wir uns sehr“, freut sich der heimische Nabu-Vorsitzende Andreas Vergin.

Denn je mehr Menschen teilnehmen, umso aussagekräftiger sind die gewonnenen Ergebnisse. Im vergangenen Jahr hat die Aktion alle Rekorde gebrochen, erstmals nahmen bundesweit mehr als 150.000 Vogelfreunde teil. „Viele Menschen haben während der Coronakrise den Wert der Natur vor ihrer Haustür wieder neu schätzen gelernt“, sagt Vergin. „Wir hoffen, dass sich dies auch in diesem Jahr wieder in einer besonders regen Beteiligung an der Vogelzählung niederschlägt.“

Massensterben bei Blaumeisen

Die große Datenmenge aus den Zählungen ergibt ein genaues Bild von Zu- und Abnahmen in der Vogelwelt unserer Gärten und Parks. Im vergangenen Jahr konnte ein plötzlicher Bestandseinbruch der Blaumeise um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr festgestellt werden. Hauptursache dafür war eine in Deutschland neue Bakterieninfektion, die im März und April zu einem Massensterben der beliebten Gartenvögel geführt hatte. „Die kommende Zählung wird Aufschluss darüber geben, ob die Blaumeisen die Verluste durch erfolgreiche Bruten ausgleichen konnten. Leider ist es ebenso möglich, dass sich der Abwärtstrend weiter fortsetzt“, sagt Christian Härting, vom Landesfachausschuss Ornithologie und Vogelschutz im NABU NRW.

Die Rotkehlchen sind Vogel des Jahres. Die Tiere sind Einzelgänger, aber in vielen Gärten zu finden. © picture alliance / Stefan Sauer/dpa © picture alliance / Stefan Sauer/dpa

Die Chancen stehen gut, bei der Zählung den ersten öffentlich gewählten Vogel des Jahres, das Rotkehlchen, zu sehen. Im langjährigen Mittel wurde das Rotkehlchen innerhalb einer Stunde in fast jedem zweiten Garten entdeckt. Die Art stehe damit auf Rang sieben der zuverlässigsten Gartenvögel. Die Vögel sind sehr territorial und dulden außer ihrem Partner keine weiteren Artgenossen im Revier. Daher liegt das Rotkehlchen nur auf Rang 13, wenn es um die häufigsten Gartenvögel geht. „Ich sehe wie seit Jahren den Haussperling vorn, danach Kohl- und Blaumeise“, erklärt Ulrich Kamp, Oer-Erkenschwicker Mitglied im Nabu Ostvest.

Ruhiges Plätzchen in der Natur suchen

Wer mitmachen möchte, soll sich ein ruhiges Plätzchen drinnen oder draußen – jedenfalls mit Blick in die Natur – suchen – und auswerten, wie viele Vogelarten auf einmal – die höchste Anzahl entscheidet – gesehen wurde. Ulrich Kamp erläutert: „Also nicht insgesamt 49 Hausspatzen in einer Stunde ist das Ergebnis, sondern die neun Exemplare, die als Höchstanzahl innerhalb einer Stunde zusammen gesehen wurden.“

Die Spatzen pfeifen ihren möglichen Sieg von den Zweigen: Diese Vogelart wird bei der Vogelzählung Jahr für Jahr am häufigsten gesichtet. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Vögel, die im Schwarm leben, haben zahlenmäßig Vorteile vor Einzelpärchen oder Einzelgängern. In der Summe ist jede Art für sich betrachtet wichtig, und auch die Relationen stimmen meistens. Kamp: „Wer in seinem Garten zehn Sperber und zwanzig Elstern zählen würde, müsste sich keine Gedanken mehr darüber machen, warum er keine Singvögel zählen konnte – bei so vielen Fressfeinden kein unlösbares Rätsel.“ So beeinflusst eine Tierart die andere: viele Mäuse = viele Eulen, Turmfalken und Mäusebussarde; viele Insekten = viele Kohl- und Blaumeisen. Und genau diese Relationen kann man in einer breit gefächerten Erfassung aller Arten erkennen. Welche Vogelart nimmt zu, welche ab und wer scheint ganz verschwunden zu sein?

Meldung nur im Internet oder per Telefon

Doch wegen der Corona-Pandemie gibt es eine Besonderheit. Aus aktuellem Anlass verzichtet der Naturschutzbund auf die Verteilung von Zählbögen und Meldezetteln und setzt auf Angaben per Online-Meldung und Telefon. Einige der sonstigen Verteilerstellen sind geschlossen, den Besucherdruck aber auf wenige Stellen zu konzentrieren, davon nehmen die Naturschützer Abstand. Andreas Vergin: „Daher haben wir uns entschlossen, diesmal der Technik voll zu vertrauen. Wir danken für das Verständnis der Vogelzähler.“

So können Sie mitmachen
  • Im vergangenen Jahr hatten deutschlandweit über 161 500 Vogelfreunde bei der Stunde der Gartenvögel mitgemacht und 3,25 Millionen Vögel im Siedlungsraum aus fast 107 900 Gärten gemeldet. In Nordrhein-Westfalen wurden in über 19.000 Gärten mehr als 532.000 Vögel von rund 28.000 Vogelfreunden gezählt.
  • Und so funktioniert die Vogelzählung: Von einem ruhigen Plätzchen im Garten, Park, auf dem Balkon oder vom Zimmerfenster aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig beobachtet werden konnte. Die Beobachtungen können am besten online unter www.stundedergartenvoegel.de gemeldet werden (hier gibt es auch den Flyer und die Zählhilfe oder über die Internetseite des Nabu Ostvest), aber auch per Post oder Telefon – kostenlose Rufnummer am 15. Mai von 10 bis 18 Uhr: 0800-1157115. Gemeldet werden kann auch mit der kostenlosen NABU-Vogelwelt-App, erhältlich unter www.NABU.de/vogelwelt. Meldeschluss ist der 24. Mai.
  • Aktuelle Zwischenstände und erste Ergebnisse sind ab dem ersten Zähltag auf www.stundedergartenvoegel.de abrufbar und können mit vergangenen Jahren verglichen werden. Ergebnisse für Nordrhein-Westfalen finden sich direkt unter http://nrw.nabu.de/gartenvoegelnrw.
  • Für kleine Vogelexperten hat die NAJU die „Schulstunde der Gartenvögel“ (17. bis 21. Mai) ins Leben gerufen. Weitere Informationen dazu unter www.NAJU.de/sdg.
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