Kirche in Ahsen

Ahsener Jesusfigur kommt unters Messer

Seit knapp eineinhalb Jahren feiern die Ahsener wieder Gottesdienst in ihrer renovierten Kirche St. Marien. Doch etwas fehlt noch in dem Gotteshaus: das 700 Jahre alte Kreuz.
Dr. Martina Dlugaiczyk (li.) und Gisbert Stimberg erkundigen sich bei Restauratorin Beate Zumkley über die Restaurierung des Ahsener Kreuzes. © Kiepe

„Die Ahsener fragen immer mal wieder nach, wann denn das Kreuz zurückkommt“, verrät Gisbert Stimberg. Als Mitglied im Kirchenvorstand von St. Amandus hat er die unterschiedlichen Bautätigkeiten der Pfarrei im Blick. „Sie müssen sich wohl noch gedulden“, ergänzt er mit Blick auf Diplom-Restauratorin Beate Zumkley. Denn die Fachfrau restauriert und konserviert den mittelalterlichen Korpus in ihrer Werkstatt am Niederrhein.

Viele Absprachen sind erforderlich

Sie nimmt die obere Schmutz- und Wachsschicht ab, legt mit dem Skalpell aufwändig Schicht für Schicht die Fassungen, wie die Bemalungen von Figuren genannt werden, frei. Das macht die Arbeit sehr aufwändig. „Wir dokumentieren die Vorzustände. Deshalb gehen wir so vor“, erklärt Zumkley und fügt hinzu: „Das bedarf kleinteiliger Absprachen sowohl mit der Denkmalpflege durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, mit der Abteilung Kunstpflege des Bistums und mit der Pfarrei.“ Einen Teil des Körpers hat die Restauratorin bereits freigelegt. „Der Kopf kommt zum Schluss. Das wird noch einmal spannend, denn noch können wir beispielsweise nicht erkennen, wie weit die Bemalung der Blutstropfen geht“, berichtet sie.

Anatomie ist sehr gut getroffen

Dr. Martina Dlugaiczyk, wissenschaftliche Referentin in der Kunstpflege des Bistums, ist von dem Korpus begeistert. „Die Anatomie ist sehr gut getroffen, die Proportionen stimmen“, sagt sie mit Blick auf die Christusfigur, die inzwischen mehr als 700 Jahre alt ist. Ebenso seien verschiedene Details wie das Gesicht, die Haare oder das Lendentuch gleichermaßen feingliedrig wie üppig angelegt. Es sei ein Glück, dass dieses besondere Kreuz, mit dem sich die Gemeinde identifiziere, noch vorhanden sei. Dem kann Stimberg nur zustimmen. „Die Kirche ist mehrfach renoviert worden. Woanders ist es passiert, dass Ausstattungsgegenstände anschließend nicht mehr aufzufinden waren“, freut sich der 69-Jährige, dass dies in Ahsen nicht der Fall war.

Zuerst ging es in den Computertomografen

Doch geht es nicht nur um das Aussehen der Skulptur, sondern auch um die Recherche. „Bei einer Restaurierung kann man ein solches Stück genau unter die Lupe nehmen. Das ist aus der Perspektive der Kunstgeschichte interessant“, sagt Dlugaiczyk und Zumkley fügt hinzu: „Jetzt haben wir die Gelegenheit, das Objekt grundlegend im Detail zu untersuchen und die Befunde zu dokumentieren.“ In einem ersten Schritt wurde im vergangenen Jahr der Korpus im Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster auf Bitte der zuständigen Restauratorin des Landschaftsverbandes, Stephanie Keinert, computertomografisch untersucht.

Es gibt eine starke Höhlung im Kopf

Denn die Skulptur weist einige Besonderheiten auf. Auf der Rückseite ist eine ovale, durch Schmiedenägel gesicherte Metallplatte eingefügt, die einen Hohlraum verschließt. „Wahrscheinlich befinden sich dahinter Reliquien und auch Stoffe. Auf den CT-Bildern ist deutlich zu erkennen, dass der Kopf und die Arme mit Nägeln am Rumpf befestigt wurden und es eine starke Höhlung im Kopf gibt“, informiert Zumkley.

Gemeindemitglieder müssen noch bis 2022 warten

Dlugaiczyk betreut mit ihren Kolleginnen und Kollegen als Fachvertreter rund 1000 Kirchen und Kapellen im Bistum. „Wir unterstützen die Pfarreien und stehen ihnen beispielsweise bei restauratorischen Maßnahmen beratend zur Seite“, berichtet die Kunsthistorikerin. Gemälde, Skulpturen, aufwändig gestaltete Gewänder oder Goldschmiedearbeiten seien historische Zeugnisse des Glaubens. „In ihnen spiegelt sich die Identität einer Gemeinde“, erklärt sie. So wie eben auch in Ahsen. Doch müssen sich die Gemeindemitglieder wohl noch bis 2022 gedulden, bis ihr frisch restauriertes Kreuz wieder zu ihnen zurückkehrt.

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