Adventsandacht Pfarrer Thomas Mämecke aus Datteln über ein seltsam verrücktes Fußballjahr

Pfarrer Thomas Mämecke.
Pfarrer Thomas Mämecke. © Martin Pyplatz
Lesezeit

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“ – der Ex-Borusse und Ex-Schalker Andy Möller bestreitet allerdings, das je gesagt zu haben. „Nun komm, der Heiden Heiland“, eines der Lieder des ersten Adventssonntags, stammt aus Mailand. Es ist das älteste Lied überhaupt, das bis heute in evangelischen Kirchen gesungen wird.

Der Text geht auf Ambrosius von Mailand zurück, Kirchenvater und Stadtpatron der lombardischen Hauptstadt. Der norditalienischen Stadt also mit gleich zwei berühmten Fußballvereinen. Bereits im Jahr 386 schrieb dort Bischof Ambrosius einen lateinischen Text, den der Reformator Martin Luther 1524 in ein deutsches Kirchenlied verwandelte, damit es jeder mitsingen kann: „Dein Krippen glänzt hell und klar, die Nacht gibt ein neu Licht dar. Dunkel muss nicht kommen drein, der Glaub bleibt immer im Schein.“

Klingt ganz schön altmodisch. Doch wenn wir in diesem seltsam fußballverrückten Advent 2022 solch ein altes Lied anstimmen, dann knüpfen wir Verbindungen. Wir singen, wie seit Hunderten von Jahren, vom Kind in der Krippe, dessen Licht die Dunkelheit überstrahlt. Ich stelle mir vor, wie unzählige Frauen, Männer und Kinder längst vergangener Epochen vor mir dieses Lied schon gesungen haben. Ich finde die Vorstellung schön, beim Singen mit ihnen allen durch den Glauben verbunden zu sein.

Durch dunkle Zeiten hindurch halten wir uns gemeinsam daran fest: Die Dunkelheit der Welt ist nicht endgültig. Dahinter ist es hell. Gott öffnet uns die Tür. Singen verbindet: „Regenbogen, Regenbogen, sieben Farben hat dein Licht, wenn im Regentropfenprisma sich das Licht der Sonne bricht…“ Dieses Kinderkirchenlied von Andreas Ebert ist nun allerdings deutlich jüngeren Datums – und weder aus Mailand noch aus Madrid. Ich wünsche allen, ob im WM-Fieber oder nicht, einen gesegneten ersten Advent!