Klima-Protest

70 Fahrradfahrer demonstrieren gegen das Kraftwerk Datteln 4

Am Mittwoch, 19. Mai, findet die Hauptversammlung von Kraftwerksbetreiber Uniper in Düsseldorf statt - gegen die Ausrichtung des Unternehmens demonstrierten Klima-Aktivsten schon Sonntag.
Nach einer elf Kilometer langen Fahrrad-Demo sind die Umweltschützer vor dem Kraftwerk Datteln 4 an der Seilscheibe angekommen. © Katja Wehrland

Mit großem Applaus wurden knapp 35 Fahrradfahrer aus Dortmund, die von der Polizei zum Dattelner Neumarkt begleitet wurden, von ihren weiteren Mitstreitern am Sonntagmittag empfangen. Ungefähr 70 Personen schlossen sich dem Aufruf des Klima-Bündnisses „Datteln 4 stoppen wir“ an. Eine elf Kilometer lange Protest-Tour stand ihnen bevor. Es ging vom Neumarkt über die Castroper Straße in Richtung Kraftwerk zum Tor zwei, weiter in einer Runde über die neue Hebewerksbrücke zum Zielort, der Seilscheibe.

Umweltschützer kritisieren Uniper für Einsatz fossiler Brennstoffe

Bereits am Neumarkt machten die lokalen Kraftwerksgegner, Fridays-for-Future-Mitglieder sowie weitere Klimaschützer ihre Positionen deutlich. „Wir fordern Uniper auf, die Versprechen einzuhalten und nicht weiter auf fossile Brennstoffe zu setzen“, sagte Franziska Pennekamp vom Klima-Bündnis. Das Unternehmen solle einen schnelleren Ausstieg unter anderem aus der Kohleverstromung vorantreiben. „Stattdessen ging im vergangenen Jahr dieses Kraftwerk ans Netz. Das kann nicht sein“, sagt Pennekamp. Sie und ihre Mitstreiter fordern, dass der Uniper-Vorstand am Mittwoch nicht entlastet werden soll.

Am Dattelner Neumarkt machten sich die rund 70 Demo-Teilnehmer mit dem Fahrrad auf zum Kraftwerk.
Am Dattelner Neumarkt machten sich die rund 70 Demo-Teilnehmer mit dem Fahrrad auf zum Kraftwerk. © Fabian Hollenhorst © Fabian Hollenhorst

Da ändert aus Pennekamps Sicht auch die kürzlich vollzogene Neuaufstellung an der Unternehmensspitze nichts: Ex-Chef Andreas Schierenbeck wurde vom Uniper-Mutterkonzern Fortum aus Finnland an der Uniper-Spitze durch Klaus-Dieter Maubach ersetzt. Dieser soll unter anderem bessere Kontakte nach Finnland haben. „Aber auch er ist ehemaliger Shell-Mitarbeiter und hat seine ganze Karriere für die fossilen Brennstoffe gearbeitet. Die Aussicht auf Besserung ist reinstes Greenwashing“, sagt Franziska Pennekamp.

Neuer Uniper-Chef kann sich früheres Datteln-4-Ende vorstellen

Maubach steht laut vorab veröffentlichtem Redetext der Hauptversammlung einem früheren Kohleausstieg hingegen offen gegenüber. „Sollten zukünftige Bundesregierungen den bis 2038 zu vollziehenden Kohleausstieg beschleunigen wollen, sind wir zu lösungsorientierten Gesprächen jederzeit bereit, um einen fairen Interessenausgleich zu finden“, wird Maubach am Mittwoch vortragen. Ex-Chef Schierenbeck sowie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprachen sich im Zuge des Kohleausstieges dafür aus, Datteln 4 als letztes Kohlekraftwerk vom Netz zu nehmen, da es deutlich effizienter sei. Der Umweltverband BUND kritisiert dabei, dass laut Kohleausstiegsgesetz bereits ab 2032 weniger Kohlestrom als die Gesamtleitung von Datteln 4 (1050 Megawatt) produziert werden soll. Das Kraftwerk würde die letzten Jahre also nicht mehr unter Volllast laufen können. „Dass Datteln 4 so zum Symbol für den deutschen Kohleausstieg geworden ist, ist uns bei Uniper bewusst“, sagt Maubach in seiner Rede.

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