St. Amandus

10.000 Katholiken machen ihre Kreuzchen – Wahlen in Gemeinde-Gremien

Kaum ist die Bundestagswahl Geschichte, da werden Bürger aus Datteln erneut an die Wahlurnen gerufen - zumindest die Katholiken. Noch können sich Kandidaten bewerben.
Pfarrer Heinrich Plaßmann wirbt für die Wahlen zum Pfarreirat und zum Kirchenvorstand. © Martin Pyplatz

Vorausplanen lohnt sich, auch in der St. Amandus-Gemeinde sind die Vorbereitungen bereits angelaufen: Im Bistum Münster finden am 6. und 7. November die Kirchenvorstands- und Pfarreiratswahlen statt. „Dass beide Wahlen gleichzeitig stattfinden, ist selten“, weiß Pfarrer Heinrich Plaßmann. Denn während der Kirchenvorstand alle drei Jahre gewählt wird, stehen Pfarreiratswahlen nur alle vier Jahre an. Rund 10.000 Katholiken sind in Datteln wahlberechtigt in der Gemeinde St. Amandus mit den Kirchorten St. Josef, St. Marien und St. Amandus.

Urnenwahl im November in Datteln

Im Bistum Münster setzt man in diesem Jahr verstärkt auf die allgemeine Briefwahl. Das bedeutet, dass jedem wahlberechtigten Mitglied der Pfarrei die Wahlunterlagen automatisch zugestellt werden müssten. Davon nimmt die Pfarrei St. Amandus aber Abstand. Zwar würde das Bistum Münster die Vorbereitungen unterstützen, doch die Briefwahlunterlagen verschicken müsste die Dattelner Gemeinde. „Die Portokosten würden explodieren, und das wäre unverhältnismäßig und nicht zu verantworten“, sagt Plaßmann. Also wird es in der St. Amandus-Gemeinde am 7./8. November jeweils vor und nach den Gottesdiensten die Möglichkeit zur Urnenwahl geben. Gemeindemitglieder können aber natürlich auch die Briefwahl beantragen.

Wahlbeteiligung oft unter fünf Prozent

Auch wenn es sich in anderen Gemeinden bereits gezeigt habe, dass bei der Briefwahl die Wahlbeteiligung oftmals höher sei. „Das wäre natürlich schön, die lag nämlich bislang stets bei rund vier bis fünf Prozent“, sagt Plaßmann. Dafür hat man sich in der katholischen Gemeinde aber anderes überlegt. Sobald die Stimmzettel ca. Mitte Oktober fertig sind, will man mit Ständen auf die Pfarreiratswahlen und die Kirchenvorstandswahlen aufmerksam machen. Auch Flyer, auf denen die Kandidaten vorgestellt werden, soll es geben. „Wir sind froh um jeden, der sich mit seiner Stimme an der Wahl beteiligt.“ Schließlich kann so auch jedes Gemeindemitglied aktiv die Arbeit in der Gemeinde mitbestimmen.

Mit den Ressourcen gut umgehen

Für den Pfarreirat haben sich zwölf Kandidaten – zehn Plätze stehen zur Wahl – gemeldet. „Eventuell kommt noch ein 13. Kandidat dazu“, sagt Plaßmann. Für den Kirchenvorstand haben sich allerdings bislang nur vier Kandidaten gemeldet. Hier müssen aber acht von insgesamt 16 Plätzen neu besetzt werden. Wenn sich jetzt noch Kandidaten melden würden, wäre das schön, meint der Pfarrer. Viele Gemeindemitglieder habe man in den vergangenen Tagen angesprochen, ob sie sich die Arbeit im Kirchenvorstand vorstellen können. „Aber eigentlich alle hatten nachvollziehbare Gründe, abzulehnen – wie Beruf, Familie oder die Coronakrise, die vielen sehr viel Kraft gekostet hat.“

Seit Jahren gebe es Überlegungen, beide Gremien zusammenzulegen. Doch dabei sei viel Rechtliches zu beachten. „Außerdem würde dann Arbeit und Verantwortung auf weniger Leute übertragen werden“, erklärt Plaßmann, der bekräftigt, wie wichtig es sei, mit den Ressourcen gut umzugehen. Und dazu zähle eben auch der achtsame Umgang mit Ehrenamtlichen und Mitarbeitern.

Sollten sich für den Kirchenvorstand keine weiteren Kandidaten finden, kann die Wahl trotzdem stattfinden – und das Gremium würde dann in geringerer Stärke arbeiten.

Klar ist bereits, wie gewählt wird, ob es eine paritätische Wahl wird – also mit einer gerechten Verteilung der Kandidaten pro Gemeinde – oder ob eine Kandidatenliste geführt wird, bei der allein die Wählerstimmen unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde zählen. „Wir haben uns für die Kandidatenliste entschieden“, sagt Plaßmann. Man sei schließlich eine Gemeinde, bei der die Gremien stets die Gesamtheit im Blick behalten.

Gremien gestalten Leben in der Pfarrei

Die beiden zu wählenden Gremien gestalten das Leben in der Gemeinde wesentlich mit – mit unterschiedlichen Aufgaben: Kirchenvorstände verwalten das Vermögen der Kirchengemeinden oder entscheiden in Personalangelegenheiten. Wahlberechtigt sind alle Mitglieder der Kirchengemeinde, die am Wahltag 18 Jahre alt sind und seit einem Jahr in der Kirchengemeinde wohnen – in Datteln sind das 9479 Katholiken.

Wählbar in dieses Gremium sind Wahlberechtigte, die am Wahltag 21 Jahre alt sind. Der Kirchenvorstand besteht aus dem Pfarrer sowie gewählten Gemeindemitgliedern, deren Anzahl durch die Pfarreigröße festgelegt ist. In Datteln sind es 16. Die Gemeindemitglieder werden für die Dauer von sechs Jahren gewählt. Um eine kontinuierliche Arbeit des Kirchenvorstands zu gewährleisten, finden die Kirchenvorstandswahlen alle drei Jahre statt, wobei jeweils nur die Hälfte der Mitglieder zur Wahl stehen.

Kirche für Menschen präsent

Der Pfarreirat hat die Aufgabe, mit dem Seelsorgeteam das pastorale Wirken in der Pfarrei so zu entwickeln und zu gestalten, dass die Kirche für die Menschen präsent ist. Wahlberechtigt sind alle Gemeindemitglieder, die am Wahltag 14 Jahre alt sind – das sind in Datteln 10.069 Katholiken. Kandidaten müssen mindestens 16 Jahre alt sein.

„Ich bin gerne hier“, mit diesen Worten wirbt Pfarrer Heinrich Plaßmann auch für die Mitarbeit in den Gremien. Es sei eine spannende Zeit in der Kirche. Vieles sei im Fluss. Was kann eine Gemeinde neues anbieten, oder alte Dinge in neue Gewänder packen? Wie lassen sich Generationen verbinden? „Gemeinde, Kirche, Glaube – es geht weiter. Ich gehe zuversichtlich in die Zukunft.“ Und diese Aufbruchstimmung zeigt sich eben auch in der Arbeit der neu zu wählenden Gremien.

  • Noch können sich weitere Kandidaten, besonders für den Kirchenvorstand, aufstellen lassen. Bis zum 10. Oktober ist dies möglich, potenzielle Kandidaten brauchen dafür die Unterstützung in Form einer Unterschriftenliste. Beim Kirchenvorstand müssen es mindestens 20 Unterschriften von Wahlberechtigten sein, beim Pfarreirat sind es zwölf. Die Informationen dazu gibt es in den Pfarrbüros.
  • Zur Kirchengemeinde gehören u.a. drei Kirchen, drei Pfarrheime, sechs Tageseinrichtungen für Kinder. Mehr als einhundert Personen sind bei der Kirchengemeinde St. Amandus angestellt.
  • In dieser Verantwortung setzt der Kirchenvorstand die Rahmenbedingungen für die pastorale Arbeit vor Ort: Was braucht Kirche, was braucht die Gemeinde in den nächsten Jahren? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Wie werden diese nachhaltig eingesetzt?
  • Neben den monatlichen Sitzungen arbeitet der Kirchenvorstand mit folgenden Ausschüssen: Personalausschuss, Bau- und Liegenschaftsausschuss, Friedhofsausschuss, Finanzausschuss, KiTa-Ausschuss, Liegenschaftskonzept.

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