Nationalmannschaft

DFB-Team unter Druck: Gegen Portugal wartet schon ein Endspiel

Wende oder baldiges Ende? Deutschland steht bei der EM gegen Portugal massiv unter Druck. Bundestrainer Löw setzt wohl auf dieselbe Startelf und will gegen den Europameister auf Sieg spielen.
Joachim Löw schwört das DFB-Team auf das „Endspiel“ gegen Portugal ein. © dpa

Bei großer Anspannung hilft es manchen zu reden. Also redete Joachim Löw. Mit seinem Co-Trainer Marcus Sorg. Mit Antonio Rüdiger. Mit Matthias Ginter. Jede Sekunde vor und während des Abschlusstrainings nutzte der Bundestrainer, er teilte seine Gedanken, wollte sich austauschen, suchte die Nähe von Spielern und Mitarbeitern. Die nervliche Belastung steigt, das 196. Länderspiel unter seiner Leitung ist mal wieder eine Art Endspiel. Verlieren ist verboten gegen Portugal (Samstag, 18 Uhr) nach der 0:1-Pleite zum Auftakt. Und die Löw-Uhr tickt: 180 Minuten plus x bleiben ihm in seiner Amtszeit.

Löw vor EM-Spiel gegen Portugal: Druck ist „nicht erdrückend“

„Wir müssen durch Ergebnisse den Schlüssel in der Hand behalten, dass wir aus eigener Kraft den Weg in die K.o.-Runde finden“, sagte Löw. „Wir brauchen ein gutes Spiel und ein positives Resultat.“ Für den Feinschliff blieb die DFB-Elf übrigens gestern im EM-Quartier und trat erst gegen Abend die zweistündige Fahrt zum Spielort München an. Es galt und gilt, keine Zeit zu vergeuden, um die letzten Details noch in der kurzen Vorbereitung unterzubringen.

Der Enttäuschung nach der Niederlage gegen Frankreich seien Trotz und Zuversicht gewichen, wollen die Spieler glauben machen. Wie schwer der Ballast wiegt, für die Turnierchancen und das Selbstverständnis gewinnen zu müssen, wird sich zeigen. „Über die letzten zwei, drei Jahre war gefühlt in der Nationalmannschaft immer Druck auf dem Kessel“, sagte Kai Havertz. Der 22-Jährige gehörte am Dienstag zu jenen, denen der Mut im letzten Drittel fehlte. Jetzt verspricht er Besserung, weil im Team „ein ungemeiner Wille entstanden ist und eine unheimliche Qualität an Spielern da ist. Diese Qualitäten müssen wir abrufen.“ Löw erklärte, der Druck sei „nicht erdrückend“.

Löw wird wohl auf die Startelf aus dem Frankreich-Spiel setzen

Beim Bundestrainer käme es daher überraschend, wenn er trotz aller Debatten um die Dreierreihe in der Abwehr oder das Drei-Mann-Stürmchen vorne seine bisherigen Entscheidungen revidieren würde. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass gegen den amtierenden Europameister dieselbe Startelf aufläuft wie gegen Frankreich. Es wäre typisch Löw. Manche werten diese Haltung als uneinsichtig, andere als konsequent. Das Ergebnis wird das Urteil fällen.

Mit einem Sieg gegen Portugal kann die Löw-Elf aus eigener Kraft noch Gruppenzweiter werden. Daher sagt der Bundestrainer mit Überzeugung, die Mannschaft könne „noch alles geradebiegen“. Übrigens eine Wortwahl, die seine Spieler voll übernommen haben.

Klostermann und Hofmann fehlen – Goretzka vor dem Comeback

Und selbst bei einer Niederlage wäre der Turnier-K.o. der DFB-Auswahl mit dem Abpfiff noch nicht besiegelt. Dazu müssten erst vier andere Gruppendritte vor dem letzten Deutschland-Spiel vier Punkte sammeln. Diese Rechnereien und ihre Unwägbarkeiten möchte man sich im DFB-Camp ersparen und gegen Portugal „voll auf Sieg spielen“, wie Matthias Ginter erklärte. Der Abwehrspieler hielt sich beim ersten Auftritt als einer von wenigen schadlos und stellte sich wie seine Nebenmänner mit intensivem Videostudium auf die Lauf- und Passwege von Cristiano Ronaldo, Bruno Fernandes und Bernardo Silva ein. Defensive Stabilität hat weiter hohe Priorität, denn Portugals Angriffsreihe verkörpert hohe Fußballkunst. Anfällig ist die Mannschaft von Fernando Santos eher in der Defensive.

Da trifft es sich gut, dass Serge Gnabry nach individueller Schonzeit zurückgekehrt ist in den Mannschaftskreis, er wird also spielen. Lukas Klostermann (Muskelfaserriss) und Jonas Hofmann (Aufbautraining) fehlen hingegen. Bereit für sein Comeback ist Leon Goretzka, dessen Dynamik und Zug zum Tor den Deutschen helfen sollen.

So könnten sie spielen:

Deutschland: Neuer – Ginter, Hummels, Rüdiger – Kimmich, Gündogan, Kroos, Gosens – Müller, Havertz – Gnabry

Portugal: Rui Patricio – Semedo, Pepe, Dias, Guerreiro – Carvalho, Pereira – Fernandes – Silva, Jota – Ronaldo

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