Borussia Dortmund

BVB erwägt Einspruch gegen Hummels-Rot – Trainer Rose: „Für mich unerklärlich“

Beim BVB sitzt der Frust nach dem 1:3 gegen Amsterdam tief. Schiedsrichter Michael Oliver sieht sich nach der Roten Karte gegen Mats Hummels heftiger Kritik ausgesetzt. Der BVB erwägt einen Einspruch.
Fassungslos: BVB-Abwehrchef Mats Hummels (r.) und Trainer Marco Rose. © imago / Team 2

Die ganze Bandbreite der Emotionen spiegelte sich nach der Roten Karte für BVB-Abwehrchef Mats Hummels später in den Gesichtern der Protagonisten. Enttäuschung und Unverständnis, sogar Wut bei Hummels, Frust und auch ein wenig Resignation bei Trainer Marco Rose. Große Verärgerung bei Kapitän Marco Reus.

BVB-Trainer Marco Rose: „Das ist dann eine Menge Holz“

Hummels‘ Einsteigen gegen den Brasilianer Antony veränderte die Statik dieses Spiels, es war an einem Abend, an dem Borussia Dortmund deutlich besser in der Partie war als vor zwei Wochen in Amsterdam, gänzlich unstrittig die spielentscheidende Szene – auch wenn der BVB kurze Zeit später in Unterzahl sogar noch in Führung ging. „Fast 60 Minuten mit einem Spieler weniger“, merkte Rose in der Pressekonferenz an, „das ist dann eine Menge Holz. Die Jungs haben ihre letzten Kräfte mobilisiert. Aber hinten raus hatte Ajax zu viel Qualität. Dann wird es schwierig.“

Im Lager der Borussia gab es keine zwei Meinungen zur entscheidenden Szene des Abends. Hummels ging zwar mit hohem Tempo und offener Sohle ins Tackling gegen den Brasilianer Antony, traf ihn aber nicht und kam obendrein von der Seite, nicht von hinten. Dass Schiedsrichter Michael Oliver aus England die Szene auf dem Feld sofort mit der Roten Karte ahndete, mochte Rose ihm sogar noch verzeihen. Was Rose missfiel: „Weder hat er ein Signal aus dem VAR-Raum bekommen, noch hatte er selbst den Antrieb, sich die Szene anzuschauen. Wenn man heutzutage die Chance vertut, sich den Zweikampf noch einmal anzuschauen, ist das für mich unerklärlich.“

Dass die TV-Bilder klar zeigten, dass kein Foulspiel vorlag, führt beim BVB zu Überlegungen, gegen die zu erwartende Sperre für Hummels vorzugehen. „Das war eine mehr als offensichtliche und klar belegbare Fehlentscheidung. Sie hat unser Spiel kaputt gemacht und das Spiel entschieden“, sagte Sportdirektor Michael Zorc dem SID am Donnerstag. Er kündigte „Kontakt mit der Uefa“ an. Auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke appellierte an „den Gerechtigkeitssinn der Uefa, den Spieler nicht auch noch zu bestrafen.“

BVB-Abwehrchef Mats Hummels: „Es ist mir unverständlich“

Als Oliver ihm die Rote Karte entgegenstreckte, sei er noch relativ gelassen gewesen, gab Hummels zu Protokoll. „Ich habe gedacht, okay, sollen die sich das anschauen, dann gibt er mir Gelb und alles ist in Ordnung.“ Oliver aber blieb bei seiner Entscheidung, was ihm dann nach dem Spiel noch einen Besuch des Dortmunder Abwehrchefs in seiner Kabine einbrachte. Hummels am Mikrofon bei DAZN: „Ich werde ihn fragen, was er da gesehen hat. Aber es ist mir unverständlich, dass man auf diesem Niveau so eine Entscheidung treffen kann.“

Das Zusammenspiel des englischen Schiedsrichters mit dem Video-Assistenten funktionierte in einer anderen Szene deutlich besser als beim von Oliver falsch bewerteten Zweikampf zwischen Hummels und Antony. Erst auf einen Hinweis aus dem Video-Beobachtungsraum überprüfte Oliver die Szene, in der Jude Bellingham von Ajax-Verteidiger Alvarez zu Fall gebracht worden war. Anders als bei der Hummels-Situation schaute sich der Unparteiische diesen Zweikampf am Monitor persönlich an und änderte seine Bewertung.

BVB-Spieler Brandt: „Zu elft hätten wir das Spiel gewonnen“

Vor der vernichtenden Kritik aus dem Dortmunder Lager konnte ihn das selbstredend nicht retten. „Die Niederlage heute“, meinte Julian Brandt, „tut mehr weh als die vor zwei Wochen. Zu elft hätten wir das Spiel gewonnen.“ „Wir haben alles auf dem Platz gelassen“, haderte Kapitän Reus, „wir haben leidenschaftlich verteidigt. Doch mit einem Spieler weniger über so einen langen Zeitraum ist es normal, dass es hinten raus schwierig wird.“ Oliver habe zu ihm sogar noch gesagt, die Hummels-Szene sei vom VAR gecheckt worden, Rose wies den Referee beim Gang in die Kabine mit eindeutiger Zeichensprache darauf hin, dass er die Situation selbst am Fernseher hätte überprüfen müssen. Sportdirektor Michael Zorc konnte seinen Zorn kaum im Zaum halten.

Der Ärger ist verständlich. Mit den beiden Pleiten gegen Ajax hat Dortmund die gute Ausgangslage nach dem perfekten Sechs-Punkte-Start verspielt. Lissabon zog mit dem zweiten klaren Sieg gegen ein chancenloses Istanbul mit der Borussia nach Punkten gleich. Im vorentscheidenden Gruppenspiel in drei Wochen in Lissabon wird Hummels dem BVB nun mit Sicherheit fehlen, ebenso wie Marius Wolf, der sich einreihte in die große Gruppe verletzter BVB-Spieler, die Muskel-Blessuren beklagen. „Die Niederlage wird uns keinen Knacks geben“, beschwor Rose einmal mehr die intakte Moral. „Wir sind gefestigt. Das macht nichts mit unserem Vertrauen in uns. Natürlich aber ist das direkte Duell in drei Wochen wichtig für die Gruppenkonstellation, um am Ende die Dinge in der eigenen Hand zu haben.“

Mats Hummels mit scharfer Kritik an Gegenspieler Antony

Kein gutes Haar ließ Hummels an Gegenspieler Antony. „Seine Schauspielerei sollte man nicht außer Acht lassen“, meinte er. „Er kam ja sogar noch zu mir und meinte, es sei kein Foul gewesen.“ Diese Erkenntnis auch dem Schiedsrichter mitzuteilen, soweit kam es aber nicht. Hummels: „Er ist ein super Fußballer. Jetzt muss er nur noch lernen, ein Sportler zu werden.“

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