Borussia Dortmund

41.000 Zuschauer und ein Happy End: Harte BVB-Arbeit statt Party gegen Augsburg

41.000 Zuschauer erleben einen emotionalen Samstag im Signal Iduna Park. Borussia Dortmund liefert das passende Ergebnis, lässt beim 2:1 gegen Augsburg aber Klarheit und Struktur vermissen.
Die BVB-Profis bejubeln den 2:1-Sieg gegen Augsburg vor der Südtribüne. © picture alliance/dpa

Das Zittern blieb Borussia Dortmund auch im Heimspiel gegen den FC Augsburg nicht erspart. Nachspielzeit, direkter Freistoß für die Gäste, Daniel Caligiuri am Ball. Das weckte Erinnerungen an eine bittere 2:4-Niederlage gegen den FC Schalke 04, als Caligiuri aus ähnlicher Entfernung den Ball in den Torwinkel geschossen hatte. Diesmal flankte der Ex-Schalker, Dortmund klärte die Situation, im Jubel der Fans ging der Schlusspfiff fast unter.

Guerreiro und Brandt treffen bei BVB-Sieg gegen Augsburg

Erstmals seit mehr als 18 Monaten durfte Borussia Dortmund sein Stadion wieder zur Hälfte füllen, eine rauschende Party feierte der BVB auf dem Rasen dann allerdings nicht. Wie schon am Dienstag gegen Lissabon war der 2:1-Erfolg am Ende das Produkt harter Arbeit. Der Elfmeter von Raphael Guerreiro (10.) und das zweite Saisontor von Julian Brandt (52.) sorgten aber für einen am Ende verdienten schwarzgelben Sieg. Augsburg schnupperte nach dem 1:1 durch Zeqiri (37.) an einer Überraschung, die dem BVB und seinen Fans unzweifelhaft die Stimmung verhagelt hätte.

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In die Spielpause nimmt Dortmund allerdings die nächsten Verletzten mit: Marius Wolf, überraschend für Thorgan Hazard in der Startelf, musste ebenso angeschlagen vom Feld wie Thomas Meunier und Mats Hummels. Am Ende hatte Trainer Marco Rose eine Elf auf dem Platz, der fast ein Dutzend etablierter Kräfte fehlten.

Hummels und Kobel fälschen den Ball vor BVB-Gegentor ab

41.000 Zuschauer waren es schließlich, die der BVB nach der kurzfristigen Änderung der Corona-Schutzverordnung im Stadion begrüßen konnte. Dass diese auch lauter pfeifen können, daran wurde Schiedsrichter Tobias Welz kurz vor der Pause erinnert, als er BVB-Kapitän Marco Reus die Gelbe Karte zeigte. Reus‘ Foul an Daniel Caligiuri war unstrittig, vor allem aber eine Frust-Reaktion auf einige von Welz nicht zugunsten der Borussia beurteilte Zweikampf-Aktionen zuvor.

Die großzügige Linie des Referees in der wichtigsten strittigen Situation der ersten Hälfte war vertretbar: Als der FC Augsburg in der Südwest-Ecke den 1:1-Ausgleich bejubelte, reklamierte der BVB immer noch ein vermeintliches Foul von Gruezo Arvoleda an Axel Witsel zuvor. Welz ließ den Zweikampf laufen, Augsburgs Arne Maier hämmerte den Ball aus 25 Metern an die Latte, Andi Zeqiri den Abpraller in die Maschen – dass der Ball erst von Mats Hummels und beim Zurückspringen auch von Gregor Kobel abgefälscht wurde, passte zum unglücklichen Verlauf dieser Aktion (35.).

BVB lässt nach dem Führungstreffer Klarheit und Struktur vermissen

Das Spiel allerdings war der Borussia schon in den Minuten vorher ein Stück weit entglitten. Nach einer sehr konzentrierten und engagierten Anfangsphase, die mit dem Elfmeter-Tor durch Raphael Guerreiro (10.) belohnt wurde, gingen Klarheit und Struktur im Dortmunder Spiel immer weiter verloren. Der BVB verstrickte sich in viele Klein-Klein-Duelle und Kombinationen auf engstem Raum, die es Augsburg trotz einer Dortmunder Dominanz beim Ballbesitz (72 Prozent zur Pause) und in den Zweikämpfen leichter machte, die eigenen Reihen zu schließen.

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Bundesliga, 7. Spieltag: BVB – FC Augsburg 2:1 (1:1)

Tiefe Läufe sind immer ein gutes Rezept gegen dicht gestaffelte Abwehrreihen, sie kamen in den ersten 45 Minuten vor allem von Donyell Malen, dessen Formanstieg auch gegen Augsburg anhielt. Auch die BVB-Führung initiierte der Sommer-Neuzugang, als er einem eigentlich zu weiten Pass von Hummels energisch hinterhersprintete. Dass Augsburgs Kapitän Gouweleeuw Malen ungeschickt nahe der Torauslinie von hinten in die Hacken trat und auch noch die Hände auf die Schulter legte, nahm der Niederländer dankend an. Raphael Guerreiro verwandelte den fälligen Elfmeter sicher (10.).

Der BVB verliert gegen den FC Augsburg seine spielerische Linie

Zur Pause war die Stimmungslage bei den 41.000 Zuschauern gemischt. Viel Applaus in der Anfangsphase für Ballgewinne (Brandt, Bellingham, Meunier) und gelungene Ballstafetten, aber zunehmend dann auch Rätselraten über den Verlust der spielerischen Linie. Aus den klaren Feldvorteilen resultierten am Ende zu wenige klare Aktionen vor dem gegnerischen Tor, die beste Gelegenheit war noch eine scharfe Hereingabe von Malen, die Caligiuri vor Marius Wolf ins Aus lenkte (21.).

In der Kabine gab es einiges zu korrigieren für Trainer Marco Rose, doch auch die Anfangsphase der zweiten Hälfte war geprägt von einer erstaunlich fahrig agierenden Borussia, bei der dann aber Julian Brandt sein Herz in die Hand nahm und mit einem Linksschuss aus 23 Metern ins Eck das viel umjubelte 2:1 erzielte (52.) – genau in eine Phase hinein, in der Augsburg die Dortmunder Probleme erkannt hatte und immer mutiger wurde. Korrekt und wichtig für die Borussia, dass Welz den postwendenden Ausgleich von Zeqiri wegen eines Fouls an Manuel Akanji zurückpfiff.

Reus und Hazard haben das 3:1 für den BVB auf dem Fuß

Das 2:1 war das von den Fans ersehnte Lebenszeichen ihrer Mannschaft, sie peitschten den BVB nun vehement nach vorn. Spektakulär, wie Marius Wolf zunächst Rafal Gikiewicz zu einer Glanzparade zwang und Reus den Abpraller volley an die Latte donnerte (57.). Im Griff hatte der BVB die Partie allerdings auch weiterhin nicht. Augsburg blieb mutig und rückte weit vor. Das bot dem BVB reichlich Platz für hochkarätige Kontersituationen. Der eingewechselte Hazard verpasste frei vor Gikiewicz das 3:1, er traf nur den Außenpfosten (66.). Zuvor war tiefes Durchatmen angesagt, als Oxford im BVB-Fünfer frei zum Kopfball kam.

Ausgerechnet in dieser Phase musste Rose seine defensive Zentrale neu besetzen. Hummels hatte Probleme, auch Witsel ging vom Platz. Vorne hätte Dortmund für endgültige Klarheit sorgen können, nach Brandts klugem Rückpass verpasste Reus das mögliche 3:1 (71.). Auch Bellingham scheiterte nach einem mutigen Antritt an Gikiewicz (78.). Das war die letzte Gelegenheit vor beiden Toren, auch die 41.000 auf den Rängen durften sich am Ende mit als Sieger fühlen. „Man hat gerade in den Phasen, als wir ein bisschen geschwommen haben gemerkt, wie wichtig ihre Unterstützung ist“, meinte Siegtorschütze Brandt.

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