Stammzellen-Spende benötigt: Angelika Hermey bekommt Hilfe von allen Seiten

WESTERHOLT/DISTELN Angelika Hermey lächelt. Das macht sie häufig. Dabei ist sie schwer krank. Die 53-Jährige hat Leukämie (Blutkrebs), dennoch strahlt sie eine bewundernswerte Zuversicht aus. „Mir helfen so viele Menschen. Meine Familie, Freunde, Nachbarn, Bekannte – das berührt mich sehr“. Dabei sieht sie zu Carola Günther herüber und in ihrem Blick liegt große Dankbarkeit.

  • Angelika Hermey (l.) ist zuversichtlich, den Blutkrebs zu besiegen und dann auch wieder im Fitnessstudio von Carola Günther zu trainieren. Hier soll bald eine Typsierungs-Aktion durchgeführt werden. Foto: Daniel Maiß

Dass die beiden Frauen dabei in Günthers Fitnessstudio in Disteln sitzen, hat einen guten Grund: Hier soll bald eine Typisierungs-Aktion durchgeführt werden, denn Angelika Hermey benötigt dringend eine Stammzellen-Spende – je schneller, desto besser.

Momentan braucht sich die 53-Jährige noch nicht den Strapazen einer Chemotherapie auszusetzen. „Ich bekomme regelmäßig Blutkonserven. Noch reicht das aus – zum Glück“, erklärt die Westerholterin. Wie lange das so bleibt, können die behandelnden Ärzte in der Uni-Klinik Essen nicht sagen. Sie wollen die Chemotherapie so lang es geht herauszögern. „Denn die würde nicht nur kranke Zellen zerstören, sondern auch die restlichen gesunden“, so Hermey.

Immer wieder hört sie in dem Frauen-Fitnessstudio aufmunternde Worte der Besucherinnen. Jedes Mal lächelt sie – ein ehrliches Lächeln. Sie blickt nach vorn, nicht so gern zurück. Denn dieser Blick ist schmerzhaft.

„Im Oktober ging es mir plötzlich nicht gut“, erinnert sich die 53-Jährige. Der erste Verdacht Herzinfarkt war schnell ausgeräumt. Auch Asthma wurde vermutet. „Man hat mich mehrfach untersucht und mir schließlich sogar die Gebärmutter rausgenommen.“ Das Lächeln ist kurzzeitig verschwunden. „Vollkommen unnötig.“

Dann aber kam sie bei Dr. Matthias Banasch in Behandlung. Dem Chefarzt der Inneren Medizin am St.-Elisabeth-Hospital ließen die schlechten Blutwerte keine Ruhe. „Er klemmte sich dahinter, weit mehr als es viele andere gemacht hätten“, betont Hermey. „Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“

Banasch schickte sie nach Essen in die Uni-Klinik. Und hier bestätigte sich sein Verdacht auf Blutkrebs. Erneut verschwindet Hermeys Lächeln: „Das traf mich wie ein Blitzschlag.“

Seitdem sorgen Blutkonserven dafür, dass die Hausfrau ihren Alltag einigermaßen bewältigen kann. „Ich fühle mich oft schwach, kann manchmal keine 20 Meter gehen. Immer wenn ich eine Konserve erhalte, bekomme ich einen Schub, dann geht es mir besser.“

Die Familie ist ihr großer Rückhalt. Ihre Töchter Karina (28) und Annika (30) informierten sich direkt nach der Diagnose über die Krankheit und die Möglichkeiten für eine Stammzellenspende. Ehemann Ralph unterstützt sie dabei, ihr Leben möglichst normal weiterführen zu können. „Zudem bekam ich sofort von allen Seiten Unterstützung: von Freunden und Nachbarn, aber auch vom Schornsteinfeger oder Mitgliedern unseres Hundevereins. Das ist toll.“

Auch Carola Günther wollte sofort helfen – mit einer Typisierungs-Aktion. „Ich habe doch hier die Räumlichkeiten“, erklärt die Fitnessstudio-Inhaberin. Die beiden Frauen kennen sich lange, Angelika Hermey trainiert seit mehr als acht Jahren im „Fit & vital “ am Distelner Dorfplatz. Carola Günther kontaktierte die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die ihr sofort einen Leitfaden zukommen ließ, wie eine solche Aktion durchgeführt wird.

Die dafür benötigten Helfer waren schnell gefunden, am Dienstag, 10. Januar, kommen DKMS-Mitarbeiter ins Studio, um Details und einen konkreten Termin für die Aktion zu besprechen. Dort muss man dann übrigens nur eine Blutprobe (5,6 ml) oder eine Speichelprobe abgeben.

„Natürlich hoffe ich, dass dabei ein Spender für mich gefunden wird“, so Hermey. „Ich würde mich aber auch freuen, wenn einem anderen Betroffenen geholfen werden kann.“ Eins ist ihr wichtig: „Ich möchte aufklären. Viele wissen gar nicht, was bei einer Stammzellenspende passiert. Da reicht manchmal sogar schon eine normale Blutspende.“

Sie selbst ist überzeugt, den Blutkrebs zu besiegen. „Irgendwann werde ich hier wieder trainieren“, ist sich die 53-Jährige sicher, blickt sich um – und lächelt.
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