Polizei: Sexueller Missbrauch in 15 Fällen

DATTELN Mitte Februar wurde ein 54-jähriger Dattelner wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes festgenommen. Jetzt steht das ganze Ausmaß des Missbrauchs fest. Wie Polizeisprecherin Ramona Hörst auf Anfrage erklärt, hat sich der Dattelner an insgesamt 15 Personen vergangen, nachdem er sie zuvor betäubt hatte.

  • Polizei mit Blaulicht

    Blaulichter leuchten auf den Dächern von Polizeifahrzeugen. Foto: Carsten Rehder/Archivbild

Wie Polizeisprecherin Ramona Hörst auf Anfrage erklärt, handelt es sich bei den Opfern um Kinder, Jugendliche und Frauen. Wie die Staatsanwaltschaft Bochum und die Polizei Recklinghausen in einer gemeinsamen Pressemitteilung ausführen, steht der Dattelner im Verdacht, seit mehreren Jahren Frauen, Jugendliche und Mädchen im Kindesalter betäubt und sexuell misshandelt zu haben. Bei der Auswahl der Opfer nutzte der Mann nach Angaben von Ramona Hörst private, persönliche Kontakte aus.

Was den Fall besonders brisant macht, ist neben der großen Opferzahl die Tatsache, dass der Mann seine Opfer vorher betäubt hat. Sie wussten zum Teil gar nicht, dass sie missbraucht wurden und wurden erst jetzt nach Auswertung der gefundenen Videos von der Polizei darüber informiert. Sie werden nun von polizeilichen Opferschützern betreut.

Aufmerksam wurde die Polizei auf den Mann, der seit der Festnahme im Februar in Untersuchungshaft sitzt, nachdem sich die Eltern eines Kindes an die Polizei gewandt hatten. Die Eltern gaben an, dass das Kind nach einer Übernachtung bei dem Tatverdächtigen über Schwindel geklagt hatte. Eine Untersuchung im Krankenhaus ergab einen erhöhten Wert eines Schlaf- und Beruhigungsmittels im Blut des Kindes. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde ein Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des 54-Jährigen an der Castroper Straße erlassen. In der Wohnung des Beschuldigten stellte die Polizei Datenträger sicher, die sexuelle Handlungen von ihm an Kindern und Frauen dokumentieren.

Nach Angaben der Polizei schwieg der Mann zunächst. Inzwischen hat er eine Aussage angekündigt. Zur Bearbeitung und Auswertung der gefundenen Datenträger wurde eine Ermittlungskommission eingesetzt. Beamte aus anderen Polizeibehörden unterstützen die Kommission dabei. Die noch nicht abgeschlossene Auswertung der sichergestellten Datenträger verdeutlicht, dass der Mann laut Polizei offensichtlich mindestens sechs Kinder und zwei Jugendliche sexuell missbraucht hat. Weiter gibt es Aufnahmen von sexuellen Handlungen an sieben Frauen, die dabei nicht bei Bewusstsein zu sein schienen.

Derzeit hat es den Anschein, dass die meisten auf den Datenträgern ersichtlichen Kontakte mit Opfern bereits durch die Ermittler erkannt wurden. Von den Opfern konnten einige bislang aber nicht identifiziert werden. Allerdings werden noch weitere umfangreiche Auswertungen und Ermittlungen durchgeführt. Nähere Details zu den Opfern wird die Polizei aus Gründen der Privatsphäre der Familien nicht bekannt geben.

Die Ex-Frau des Tatverdächtigen hatte, wie berichtet, bereits im Jahr 2014 dem Jugendamt in Datteln mitgeteilt, auf dem PC ihres Ex-Mannes Videos und Bilder mit kinderpornografischen Inhalten gefunden zu haben. Offensichtlich schenkte man ihr damals keinen Glauben, bzw. niemand ging dem Hinweis nach. Auf Nachfrage teilt Stadtsprecher Dirk Lehmanski hierzu mit, dass ein solcher Vorgang aus dem Jahre 2014 beim Jugendamt nicht dokumentiert sei. Eine Aufklärung werde zudem erschwert, da Mitarbeiter, die damals für einen solchen Fall zuständig gewesen wären, mittlerweile nicht mehr im Dienst des Jugendamtes seien.