Missbrauch: 17-Jährige missbraucht: Mutter schaute dabei zu

Datteln Neue Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Bochum nach Auswertung der Datenträger – gegen die Frau wird jetzt ermittelt.

  • Archivfoto: dpa

Bei den Ermittlungen gegen den 54-jährigen Dattelner, dem 15-facher Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Frauen vorgeworfen wird (wir berichteten), gibt es neue Erkenntnisse. Bislang waren Polizei und Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass der 54-jährige Tatverdächtige allein gehandelt hat.Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum sei nun aber klar, dass es zumindest im Fall eines Opfers eine Zeugin gegeben habe. Das ergab die Sichtung der beschlagnahmten Datenträger des Beschuldigten. Das Erschreckende: Bei der Frau handelt es sich um die Mutter des Opfers.

Das Opfer war 17 Jahre alt

„Die genaue Rolle der Mutter ist hierbei noch fraglich“, sagt Oberstaatsanwalt Paul Jansen. Auf dem Bildmaterial sei aber zu erkennen, das sie bei dem sexuellen Missbrauch ihrer Tochter zusieht, so Paul Jansen auf Anfrage unserer Redaktion. „Die Tat wurde im Januar 2013 begangen“, so Jansen. „Das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt.“ Auch sie sei vermutlich von dem Verdächtigen betäubt worden, damit dieser seine sexuellen Handlungen an ihr vollziehen konnte. Die Staatsanwaltschaft habe daher gegen die Mutter des Opfers ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Es handelt sich hierbei um Beihilfe zum Nachteil einer Jugendlichen“, erklärt der Oberstaatsanwalt. Weitere Brisanz erhält der Fall durch die Aussagen der Ex-Frau des Tatverdächtigen. Wie berichtet, will sie das Jugendamt der Stadt Datteln frühzeitig darauf aufmerksam gemacht haben, dass sie auf dem PC des Beschuldigten kinderpornografische Inhalte gefunden habe. Zuletzt im Jahr 2014. Der Pressesprecher der Stadt Datteln, Dirk Lehmanski, hatte hierzu auf Nachfrage jedoch mitgeteilt, dass ein solcher Fall im Jugendamt der Stadt Datteln nicht dokumentiert sei.

Falschmeldungen auf Facebook

In der Zwischenzeit wurde die Frau aber von der Polizei vernommen. Im Rahmen dieser Befragung gab sie an, das Jugendamt der Stadt Datteln sogar schon im Jahr 2003 über die kinderpornografischen Inhalte auf dem Rechner des Beschuldigten informiert zu haben. „Wir sichten derzeit die Akten aus diesem Jahr, können aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage zur Sachlage machen“, teilt Stadtsprecher Dirk Lehmanski hierzu mit. Der arbeitslose Briefzusteller, der zuletzt für ein Unternehmen in Castrop-Rauxel tätig war, wurde Mitte Februar in seiner Wohnung auf der Castroper Straße in Datteln festgenommen. Seither sitzt der 54-Jährige in Untersuchungshaft. Anfangs hatte der Familienvater noch beharrlich zu den Vorwürfen geschwiegen. Jetzt hat er eingeräumt, doch Angaben machen zu wollen. In einigen Facebook-Gruppen wurde zwischenzeitlich behauptet, dass der Tatverdächtige wegen ähnlicher Straftaten bereits vorbestraft sei. Dies trifft nicht zu. „Im Bundeszentralregister sind keine Vorstrafen verzeichnet“, sagt Paul Jansen. „Ebenso gibt es keine verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen dem mutmaßlichen Täter und seinen Opfern.“
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