Datteln 4: Kohlekraftwerk: Droht das Aus schon vor dem Start?

Datteln Reaktionen auf Überlegungen von Wirtschaftsminister Peter Altmeier, Datteln 4 gar nicht mehr ans Netz zu lassen.

  • Datteln 4

    Effizient, aber trotzdem Auslaufmodell? Der geplante Kohleausstieg könnte Datteln 4 gefährden. Foto: Gutzeit

Nein, die Sektkorken hätten nicht geknallt, sagt Rainer Köster augenzwinkernd. Dazu sei es noch zu früh, erklärt der Sprecher der IG Meistersiedlung zu Pressemeldungen, nach denen der Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) Überlegungen angestellt haben soll, im Zuge des kommenden Kohleausstiegs das Uniper-Kraftwerk Datteln 4 gar nicht mehr ans Netz zu lassen. Das Aus also vor dem eigentlichen Start, der für Sommer 2020 geplant ist.

Uniper werde sich dagegen natürlich wehren, sagt Köster auf Anfrage unserer Redaktion. Für die IG Meistersiedlung, die zusammen mit dem BUND gegen die Betriebsgenehmigung für Datteln 4 juristisch vorgehen will, hätten solche Meldungen aber durchaus Gewicht. Und „sie machen uns auch ein bisschen Hoffnung. Altmeier wird so etwas nicht aus dem blauen Dunst heraus verkünden.“

Köster ist überzeugt, dass bei der Abwägung, wo Kapazitäten bei der Kohleverstromung abgebaut werden, das Thema Arbeitsplätze eine große Rolle spiele. Und da könnte Datteln 4 mit Blick auf die Jobs im deutschen Braunkohleabbau nicht wirklich punkten. Für Rainer Köster steht fest, dass Uniper schon rechnet, ob sich vor dem Hintergrund des geplanten Kohleausstiegs der Betrieb von Datteln 4 für wenige Jahre überhaupt lohnt.
 

Uniper müsste zurückbauen

Für Dr. Thomas Krämerkämper, 2. Vorsitzender des BUND-Landesverbandes, macht es grundsätzlich Sinn, wegen des Kohleausstiegs keine neuen Kraftwerke mehr ans Netz zu bringen. Zumal Datteln 4 vom BUND umfangreich beklagt werde – mit guten Erfolgsaussichten, meint Krämerkämper.

Bis Mitte Dezember habe die eingesetzte Kohlekommission Zeit, ihre Formulierungen zum Kohleausstieg der Regierung zur Entscheidung vorzulegen. Dr. Krämerkämper geht aber davon aus, dass Entscheidungen zu Kraftwerks-Stilllegungen – auch zu Datteln 4 – schon in nächster Zeit fallen würden. Grundsätzlich, so erläutert er weiter, sei die Regierung in der Lage, eine schon erteilte Betriebsgenehmigung für ein Kraftwerk zu widerrufen.

Fakt ist: Sollte Datteln 4 nicht mehr ans Netz gebracht werden, müsste Uniper – so die Vereinbarung des Voreigentümers E.ON mit der Stadt – das Kraftwerk komplett zurückbauen. Laut Krämerkämper müssten für den Fall, dass dort wieder landwirtschaftliche Flächen entstehen sollen, sogar die Fundamente im Boden zurückgebaut werden.

Politische Kreise Dattelns, so ist unter der Hand zu hören, würden bei einem möglichen Rückbauszenario nicht in tiefe Trauer verfallen. Im Gegenteil: Die Politik weiß natürlich, dass das Kraftwerk in weiten Teilen der Bevölkerung sehr umstritten ist.
 

Chance für Datteln auf neue Jobs?

Und sollte Uniper wirklich zurückbauen müssen, hätte Datteln mittelfristig eventuell die Option, über ein 71 Hektar großes, erschlossenes Industriegebiet für viele neue Jobs zu verfügen. Vorausgesetzt, Flächennutzungs- und Regionalplan würden entsprechend geändert und Uniper wäre bereit, das Areal zu verkaufen.

Ein Aus von Datteln 4 wäre zunächst für Bürgermeister André Dora „nicht gut für die Gewerbesteuerentwicklung der Stadt und volkswirtschaftlich zu kurz gedacht“. Dora  hält es klimatechnisch für die falsche Entscheidung, alte Braunkohlekraftwerke am Netz zu halten, und ein effizientes Steinkohlekraftwerk nicht ans Netz zu lassen, nur um aus Lobby-Gründen ein Unternehmen mit alten Kraftwerken zu bevorzugen, so Dora.
 

CDU-Chef Thomas Benterbusch zeigte sich schon „sehr überrascht“

Dattelns CDU-Chef Thomas Benterbusch zeigte sich schon „sehr überrascht“ hinsichtlich der Überlegungen seines Parteikollegen Altmeier. Er bemühe sich dazu um belastbare Informationen aus Berlin, sagt Benterbusch. Fakt sei, dass das Thema Kohle immer mehr an Fahrt aufnehme und dass das zu Konsequenzen führen werde.

Die große Zahl von tausenden Arbeitsplätzen im Braunkohletagebau sei natürlich ein Argument im Vergleich zu den wenigen Jobs von Datteln 4. Bei der Frage, wann sich ein Kraftwerk rechnet, sieht er in der Laufzeit den entscheidenden Aspekt. Benterbusch könne sich vorstellen, dass es bei Uniper Überlegungen gibt, über steuerliche Sonderabschreibungen und Entschädigungszahlungen der öffentlichen Hand bei Datteln 4 auszusteigen. „Es bleibt spannend.“

Uniper-Vorstand Eckhardt Rümmler indes betont, Datteln 4 im Zuge eines möglichen Kohleausstiegs nicht symbolisch opfern zu wollen. „Unser Kohlekraftwerk Datteln 4 wird nach seiner Inbetriebnahme in 2020 zu den modernsten und effizientesten Kohlekraftwerken in Europa zählen und zugleich wahrscheinlich das letzte sein, das in Deutschland ans Netz gehen wird.“
11 KOMMENTARE
23.10.18 17:42

Referenzkraftwerk Uniper Maasflakte

von feder24

Aus WIKIPEDIA:
Die Bauarbeiten am Block 3 mit einer elektrischen Leistung von 1069 MWnetto bzw. 1113 MWbrutto wurden im April 2008 begonnen. Dieser gehört zur gleichen 1100 MW-Klasse wie der Block 4 des Kraftwerks Datteln. Er ist seit 2014 mit Steinkohle und Biomasse als Brennstoff in Betrieb.
Da haben kein BUND reingeredet.

23.10.18 17:20

Strom aus der Steckdose!Immer?

von feder24

Stromerzeugung in D am 17.10.2018 aus www.agora-energiewende.de :
19:oo Uhr, Solarstrom NULL, offshore-Wind, so gut wie NULL; Wind-onshore:2100 MW(2xDatteln): Strombedarf in Deutschland 68.000MW, davon haben Stein-+Braunkohle + Kernkraftwerke 59.000 MW Leistung erbracht. Gut, dass es die alten Kraftwerke noch gibt, und durch neue ersetzt werden, wenn notwendig.
Man kann noch jede Menge Windanlagen bauen, wenn kein Wind da ist , ergibt 2x Null immer noch Null.
Vielleicht rechen das mal der Minister Altmaier mit seinem Duzfreund Hofreiter (Grünchef) nach.

15.10.18 08:09

Gottseidank!

von annelli

Endlich mal eine gute Nachricht. Der Bau eines Monsterkraftwerks und der Kohleausstieg.. das passt nicht zusammen. Und wir Dattelner können uns über saubere Luft und mehr Wohnwert freuen.

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