Nane interviewt Doris: Die Jugend meiner Oma

Serie Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu, nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt unsere 14-jährige Jugendredakteurin Nane Piotrowski aus Marl ihre 71-jährige Oma Doris.

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  • Nane Piotrowski und Oma Doris Die Jugend meiner Oma

    Doris (r.) strahlt neben ihrer Enkelin Nane in die Kamera. Wir freuen uns übers Interview! Vielen Dank, Ihr beiden! Foto: Privat

  • Nane Piotrowski und Oma Doris Die Jugend meiner Oma

    Die beste Freundin drückt auf den Auslöser – und so entsteht das Foto der damals 15-jährigen Doris. Foto: Privat

Nane: Was war Dein Lieblingsplatz und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?
Doris:
Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Du weißt ja, dass ich im Februar 1947 geboren wurde, das war zwei Jahre nach dem Krieg. Ich war dann acht Jahre auf der Volksschule, denn mein Vater war der Ansicht, dass ich nicht auf das Gymnasium gehen müsste, da Mädchen irgendwann heiraten und Kinder kriegen würden. Also war Gymnasium nur Zeitverschwendung. Darum bin ich nach acht Jahren Volksschule in die Lehre gegangen. Ich hatte im ersten Jahr einen Verdienst von 35 Mark. Das ist zwar nicht sehr viel, aber ich kam mir trotzdem vor wie eine Königin. Um Geld zu sparen, sind wir zu Fuß zur Bergstraße zum Eiscafé gelaufen und haben uns alle eine Cola geteilt. Wir hätten auch mal gerne ein Eis gegessen, aber dafür hatten wir kein Geld übrig. Ich denke, das war damals mein Lieblingsort. Ob es das Eiscafé heute überhaupt noch gibt, weiß ich gar nicht.

Wir machten uns das Leben einfach schön

Nane: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt?
Doris:
Als ich vierzehn Jahre alt war und in die Lehre kam, dachte ich, wenn ich erst einmal aus der Lehre raus bin, dann gehört das Leben mir. Die Realität entsprach nicht ganz meinen Vorstellungen, aber mit den Mitteln, die uns zur Verfügung standen, machten wir uns das Leben schön. Außerdem mussten wir ja auch schon sehr früh erwachsen werden. Ich war mit 14 Jahren schon in der Lehre, da ist man heute nicht einmal in der Oberstufe.

Nane: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in deinem Leben?
Doris:
Also, der schönste Moment war der erste Kuss, da war ich gerade 16 und der Junge war meine erste Liebe. Das war eine ganze Horde Schmetterlinge, die da in meinem Bauch rumschwirrte. Der schlimmste Moment für mich war auf jeden Fall, als meine Oma, also die Mutter meines Vaters, gestorben ist. Ich war 15 als sie starb. Sie war wirklich eine sehr tolle Oma – so eine Oma wie sie wünsche ich jedem Kind und jedem Jugendlichen. Man konnte mit ihr wirklich über alles reden.

Nane: Wer war Deine erste Liebe und wie ist es gelaufen?
Doris:
Meine erste Liebe, wie vorhin schon gesagt, habe ich mit 16 kennengelernt – und wir mochten uns unheimlich gerne. Er war drei Jahre älter als ich, also 19. Seine Eltern hatten eine eigene Autowerkstatt und wenn sie Veranstaltungen hatten, durfte ich auch immer da sein. Das war immer sehr schön. Aber seine Eltern hätten gerne mehr von mir erwartet, aber davor hatte ich Angst, ich war erst 16 und das war mir zu jung, um zu heiraten. Und weil ich Angst davor hatte, habe ich die Beziehung beendet, was mir im Nachhinein auch leid tat, denn es war eine sehr schöne Zeit mit ihm.

Nane: Was wundert Dich an meiner Generation und hast Du Fragen an uns?
Doris:
Ich wundere mich nicht, ich bewundere Eure Generation. Ihr seid sehr selbstsicher und das schon in so einem jungen Alter! Wir haben Dich auch immer zu einer selbstständigen und selbstbewussten Person großgezogen und das hatten wir damals einfach nicht so. Ihr habt alle Eure eigene Meinung, das hatten wir nicht. Uns wurde gesagt, dass wir uns anpassen sollen. Und Fragen? Die habe ich immer! Wir hatten damals keinen Fernseher oder ein Smartphone, dadurch hatten wir auch andere Gesprächs Themen. Es interessiert mich, wie das heute so ist und worüber Ihr so redet, was aktuell ist.
Was wisst Ihr über die Jugendjahre Eurer Großeltern? Nicht so viel, oder? Das wollen wir mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr mit Eurer Oma oder Eurem Opa dabei sein wollt: scenario@medienhaus-bauer.de