Lena in Rumänien: Das Beste daraus machen

Rumänien – Teil 14 Jó napot, én barátokom, guten Tag, meine Freunde! Ich hatte eine sehr sonnige, sehr ungarische und sehr schöne Woche! In letzter Zeit war ich so reizbar und gestresst, aber nun geht es mir tausendmal besser. Das Wochenende wirkt wie ein tiefer Atemzug.

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  • Lena Rumänien

    Ausflüge lenken Lena (r.) und ihre Mitbewohnerin Alkie von der stressigen Zeit im Kindergarten ab. Die beiden treffen sich mit anderen Freiwilligen zu Unternehmungen. Hier geht’s den Hügel in Cristuru Secuiesc rauf.

  • Lena Rumänien

    Gruppenbild mit Freunden: Lena (M.) genießt ihre Freizeit in vollen Zügen.

Nun ja, vor dem Wochenende muss man erst mal durch die Woche kommen. Die Drillinge Emma, Ivett und Gabi sind nun in die ältere Gruppe gegangen. Natürlich bin ich erleichtert, dass uns ein wenig Arbeit abgenommen wird und dass die Drei nun die Förderung bekommen, die ihrem Alter entspricht. Und doch, ich vermisse sie. Und ich mag es ganz und gar nicht, sie weinen zu hören. Natürlich ist der Wechsel am Anfang für jedes Kind schwierig. Emma und Gabi gewöhnten sich ganz normal an die Gruppe, aber Ivett ist ein sehr spezieller Fall und am Boden zerstört, nicht mehr bei meiner Kollegin Csilla zu sein. Den ganzen Tag hört man sie schreien und heulen. Hoffentlich wird das bald besser.

Diese Woche war das Thema „Essen“ in der Kita und ich habe mir endlich mal wieder einiges ausgedacht. Am Montag haben wir Obst und Gemüse aus Knete gebastelt. Die Kinder Bogdan und Anna waren natürlich wieder ganz weit vorne mit dabei, die beiden sind so clever. Und ich muss immer lachen, wie Bogdan sich über jede Kleinigkeit freut, die man mitbringt: „Wow! Banánok! (Wow, Bananen!)“

Mittwoch haben wir mit den Ergebnissen dann ein sehr schönes, von mir ausgedachtes Spiel gemacht, bei dem ich nach einer Zutat fragte („Kérek szépen egy almát!”: „Einen Apfel, bitte“) und die Kinder das richtige Knetmodell erkennen, über den Spielplatz rennen und es in eine Schüssel werfen mussten. Ich glaube, ich habe mir selten eine so gute Aktivität ausgedacht.

Trotz des Spaßes: Meine Organisation hat keine Vorstellung, wie viel man einem Angestellten oder Freiwilligen (im Grunde dasselbe hier) zumuten kann und packt einfach immer mehr und mehr Kinder in die Gruppe, denn für jedes Kind gibt es Geld. Ab nächster Woche sind es vierzehn: drei neue Babys und Kleinkinder, die noch nie von ihren Eltern getrennt waren, und unsere elf „alten“ Kinder. So viele Betten passen nicht mal in das Zimmer, zwei schlafen bereits auf Matratzen. Da wird jede Hand gebraucht...

Ich weiß nicht mehr weiter

Ich weiß irgendwie nicht mehr weiter, ich werde beginnen, das Ganze hier als Aufenthaltsgenehmigung und nicht als Projekt anzusehen. Wie oft habe ich nun versucht, mein Herz in das Projekt zu stecken und etwas Kreatives anzufangen? Aber irgendwann bin ich auch ausgelaugt. Sechs Stunden am Tag dortbleiben, das Minimum tun und im Gegenzug kostenlos in dieser wunderschönen Stadt leben, Zeit mit meinen Freunden verbringen und möglichst viel reisen – so mache ich aus den restlichen vier Monaten das Beste.

Montag ging ich wieder zur französischen Convo, aber vorher kaufte ich mein Zugticket nach Belgrad. Oh Gott, es passiert wirklich, meine Balkanreise! Mittwoch wollte ich mit dem Fahrrad in den Park fahren, entdeckte aber, dass der Vorderreifen geplatzt war – zwei Wochen nach der Reparatur, na prima! Dann läuft man halt, traumhaft war es trotzdem. Donnerstag ging ich zur Suppenküche – wieder zusammen mit dem ungarischen Team, prima! Hektik war angesagt, denn alle waren zu spät, also hieß es Paprika und Zwiebeln schnibbeln wie auf Autopilot. Aber wir bekamen es rechtzeitig hin! Danach ging es auf zur ungarischen Convo, und oh je, ich war die einzige Schülerin. Schön war das ehrlich gesagt nicht!

Freitag ging es dann endlich los! Direkt nach der Arbeit fuhren wir in die Kleinstadt Cristuru Secuiesc, um dort Freunde zu besuchen – und kamen wegen einiger Probleme doch erst kurz vor Mitternacht an. Für mehr als Umarmungen, ein Bier und ein wenig quatschen hatte ich keine Kraft mehr. Der nächste Morgen begann mit „ungarischem Frühstück“ (aka Grießbrei, haha) mit den Freiwilligen aus Cristuru Secuiesc, Ica, Blito und Ica. Gemeinsam bestiegen wir nach dem Frühstück den Berg – meine Güte, ist der hoch, und meine Güte, war das warm! Ständig ging ich verloren.

Schließlich hielt ich für Fotos an, aber die Aussicht ließ nichts anderes zu. Abenteuerlicher war nur der steile Abstieg. Danach ging es nach Sighisoara, wo der Mitfreiwillige Yadi zu uns kam. Der Junge ist so liebenswürdig. Den Berg zu besteigen, hat sich gelohnt: Sighisoara ist so märchenhaft wie eh und je, noch schöner im Sonnenlicht. Und Ica war ganz stolz auf meine Ungarischversuche, auch wenn die Betonung auf „Versuche“ liegt.

Am Abend grillten wir, und endlich tauchten auch der Mitfreiwillige Pablo und seine Freundin auf. Reif und erwachsen, wie wir sind, verbrachten meine Mitbewohnerin Alkie und ich den Rest des Tages damit, alle Ungaren zu ärgern, indem wir auf alles nur noch mit „krumpli“ (Kartoffel) antworteten. Bis vier Uhr morgens saßen wir zusammen, dann schaute ich noch einen Film und ging schlafen.

Am nächsten Tag fiel mir der Abschied schwer. Das Wochenende war einfach so schön. Na, aber wir fuhren noch nach Targu Mures und trafen dort einen portugiesischen Freund von Juliana, der uns ein bisschen die Stadt zeigte. Aber ich hätte es mehr genießen können, wäre ich nicht so „gedeckelt“ gewesen.
Auf der Heimfahrt nahm uns noch Bogdans Freund Alex mit, der wie ein Verrückter fährt, aber wirklich lustig drauf ist. In manchen Momenten trifft mich unerwartet, was für Leute ich kennenlerne und was für aufregende Dinge ich mit 18 Jahren tue: Wenn ich nach Bustickets von Montenegro nach Albanien suche, meine Freunde mitten in der Nacht mit gebrochenem Ungarisch durch fremde rumänische Dörfer navigiere oder mit drei Ungaren, einer Rumänin, einer Griechin, einer Portugiesin, vier Türken, zwei Spaniern und einem Lettländer grille, trinke und Geschichten austausche… einfach Wahnsinn!
Lena Gibbels (18, Datteln) ist für zehn Monate nach Rumänien gegangen. In der Stadt Cluj-Napoca in Transsilvanien absolviert sie ihren Europäischen Freiwilligendienst, kurz EFD, in der „Csemete Reformed Nursery School“. Hier bei Scenario lässt Lena Euch teilhaben, wie es ihr in Cluj-Napoca ergeht und was dort alles passiert.