So sparen Sie bei Strom und Gas: Keine Angst vor dem Wechsel!

REGION Strom- und Gasrechnungen können eine Hypothek sein. Wer nicht vergleicht, ist selber schuld. Wie Sie sparen können und Ihren Anbieter wechseln, erfahren Sie in unserem Praxistest. Und bei unserem Partner biallo.de können Sie mit einem Klick hier direkt vergleichen.

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Der Strompreis hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Und auch zum Jahreswechsel haben zahlreiche Versorger in Deutschland wieder Preiserhöhungen angekündigt. Das ist für uns der Anlass, uns in der Verbraucherberatung in Marl mit den Expertinnen Marion Löhring und Elfriede Menne zu treffen. Sie sollen erklären, wie man einen günstigen und passenden Energielieferanten findet. Ihre erste Botschaft lautet: Vor einem Wechsel des Anbieters muss niemand Angst haben!

Um sich einen Überblick über den Markt zu verschaffen, nutzen die Verbraucherberaterinnen das Online-Portal Verivox (www.verivox.de). „Aber dabei bitte kritisch bleiben“, mahnt Marion Löhring. „Denn auch Verivox will Geld verdienen, und zwar durch Provision und Werbung.“

Nun geht es an den Praxistest. Wir legen einen Familienhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) zugrunde. Der Haushalt hat noch nie den Anbieter gewechselt und befindet sich im sogenannten Grundversorgungstarif („Klassik Strom“) des Regionalanbieters innogy SE. Mit diesem Vertrag gehört unsere Musterfamilie beileibe nicht zu einer Minderheit. Denn nach Zahlen der Bundesnetzagentur sind immerhin rund drei Viertel der Verbraucher noch Kunden ihres angestammten Regionalversorgers – oft im vergleichsweise teuren Grundversorgungstarif.

Neukundenbonus kann in die Irre führen

Was beim Tarifvergleich auf Verivox herauskommt, hängt stark von den Filtereinstellungen ab, die der Benutzer vornehmen kann. Die Verbraucherberaterinnen haben in diesem Punkt klare Vorstellungen: Nach Eingabe der Postleitzahl (in diesem Fall für Marl), des Jahresverbrauchs und des aktuellen Versorgers deaktivieren sie erst einmal die Option „Bonus einberechnen“. So ergebe sich ein realistischeres Bild, erläutern sie. Durch den Neukundenbonus werde der Preis ja nur im ersten Jahr reduziert, doch danach könnten die Kosten vergleichsweise hoch sein.

Die Expertinnen lassen sich zudem nur Tarife anzeigen mit einer Erstvertragslaufzeit von maximal zwölf Monaten sowie einer Folgelaufzeit und einer Kündigungsfrist von jeweils bis zu einem Monat. „Der Kunde soll flexibel reagieren können“, begründet Elfriede Menne diese Wahl. Die Option „Preisgarantie“ schalten sie aus. Denn für die Entwicklung staatlicher Umlagen, die mehr als die Hälfte des gesamten Strompreises ausmachen, könnten die Anbieter ohnehin keine Garantien geben. Auch die Buttons „Vorauskasse“ und „Kaution“ (riskant und kundenunfreundlich) sollten unter „Weitere Filtereinstellungen“ deaktiviert bleiben. Die Option „Direkte Wechselmöglichkeit“ wird ebenfalls ausgeschaltet. Denn nur dann werden auch Lieferanten angezeigt, die Verivox nicht direkt über seine Homepage vermittelt.

Kein Abschluss an Haustür oder Telefon

Die Verbraucherberaterinnen empfehlen ohnehin, zunächst einmal die Internetseite des ausgewählten Anbieters aufzurufen, um noch einmal den Preis zu vergleichen. Dort könne dann auch direkt der neue Vertrag abgeschlossen werden.

Löhring und Menne haben es in ihren Beratungsstellen in Marl und Recklinghausen fast täglich mit Verbrauchern zu tun, die ihren Energielieferanten gerne wechseln möchten, aber Bedenken haben; etwa dass sie am Papierkram scheitern könnten oder das Risiko eingehen, plötzlich ganz ohne Versorger dazustehen. „Der Wechsel klappt in der Regel problemlos“, versucht Elfriede Menne solche Sorgen zu zerstreuen. Der Kunde müsse seinen alten Vertrag noch nicht einmal selbst kündigen. „Das übernimmt der neue Anbieter.“ Und falls doch einmal etwas schiefgeht, falle der Verbraucher automatisch in die Grundversorgung seines Regionalanbieters. Die Gefahr, dass im Haus plötzlich das Licht ausgeht oder die Heizung kalt bleibt, existiere jedenfalls nicht.

Wer Hilfestellung benötigt, kann sich auch direkt an die Verbraucherberatungsstellen im Kreis Recklinghausen wenden (siehe Info). Der Ratsuchende sollte auf jeden Fall die letzte Jahresrechnung seines Versorgers mitbringen. Dringend warnen die Verbraucherschützerinnen davor, Wechselverträge an der Haustür oder am Telefon abzuschließen. „Da wird man überrumpelt und hat keine Vergleichsmöglichkeiten“, betont Marion Löhring.

Und das Ergebnis unseres Praxistests? Beim Strom (4000 kWh) belegen WestfalenWIND, 4hundred und KlickEnergie die ersten drei Plätze. Die jährliche Ersparnis beträgt zwischen 210 und 238 Euro im Vergleich zum Grundversorgungstarif. Bei der Suche nach einem neuen Gasanbieter (25.000 kWh) machen Grünwelt, Stadtwerke Flensburg und Mainova unter den genannten Filtereinstellungen das Rennen. Deren Tarife liegen sogar mehr als 600 Euro unter dem Preis der Grundversorgung.

Unter „Tarifdetails“ kann der Interessent sich auch näher darüber informieren, welches Unternehmen hinter dem jeweiligen Angebot steckt und seit wann es am Markt ist. Diese Informationen können bei einer Entscheidung ebenfalls hilfreich sein, sagen die Verbraucherberaterinnen.