Alban Renz, im echten Leben künstlerischer Leiter des Jungen Theaters Cactus, hat beim Casting nicht ganz das Zeug zum Superstar
Der Münsteraner Tilman Rademacher hat die Überfrachtung des deutschen Fernsehens mit diesem Wettbewerbs-Exhibitionismus zum Anlass für seinen satirisch-rüden Film „Das Cast Ding“ genommen. Das Ergebnis bei der gutbesuchten Premiere am Mittwoch im Cineplex: fies, fröhlich und frech.
Aneinanderreihung von Zumutungen
Der Regisseur und der Produzent der Handlung koksen und kiffen, lachen die Bewerber für ihren „Big Movie“ aus oder jagen sie wütend aus dem Raum. Verständlich. Denn was sich den beiden bietet, ist schlicht eine Aneinanderreihung von Zumutungen. Der Stotterer, der seinen Text auch in der 20. Wiederholung noch verdreht. Oder der grauenhafte Vater, der seine minderjährige Tochter zu einer schlüpfrigen Darbietung zwingt, in dem er sich eine geladene Pistole in den Mund steckt und mit Selbstmord droht.
Gegelter Verlierer
Das alles sind Episoden, die trotz ihrer Übertreibung noch spürbar die Nähe zur Wirklichkeit suchen und finden. Und das macht schließlich gute Satire aus. Da „Das Cast Ding“ mit bekannten Schauspielern, Sängern und Slam-Poeten der Stadt gespickt ist, macht schon das Wiedererkennen der Protagonisten Laune.
Wenn zum Beispiel Regisseur Alban Renz von Cactus Junges Theater mit hässlich gegelten Haaren als Loser erscheint, bricht der gesamte Kinosaal in schepperndes Gelächter aus.
Kongeniales Drogen-Pärchen
In den Hauptrollen bilden Rademacher und Konrad Haller ein kongeniales Drogen-Pärchen mit Rockstarattitüde. Während Rademacher ständig dem weiblichen Geschlecht allgemein und der Regieassistentin im besonderen nachstellt, versucht Haller als Produzent das verkorkste Casting zu retten.
Doch vergebens. Poetry-Slammer Andy Strauß läuft Amok, der Hausmeister (Ekki Kurz) findet alle „Schauspieler sowieso schwul“ und die stets lakonisch-obszön kommentierende Regieassistentin (Corinna Bilke) schlägt alle k.o. – Und fackelt den Casting-Ort, die Diskothek „Schwarzes Schaf“, am Ende ab. Was der Wirklichkeit traurig nahe kommt.
Zweite Chance am Sonntag
Klar ist das nicht jedermanns Humor. Doch wer zynische Orgien mit kritischem Tiefgang mag, wird diesen Film lieben. Besonders die Auftritte von Pitt Hartmann, Christoph Tiemann, Carsten Bender, Andreas Ladwig oder Pitt Hartmann.
Am Sonntag gibt’s die zweite Chance den Film um 15 Uhr im Cinema an der Warendorfer Straße zu sehen. Oder man kauft sich einfach die DVD, erhältlich unter .


