Xenia (3): Auch die Ärzte brauchen viel Kraft

von Heinz Sünder am 12. Dezember 2011 11:56

CHISINAU/MOLDAWIEN. Ein kleines Mädchen, gerade mal drei Jahre alt. In dem Alter finden Kinder ihr eigenes Ich, beginnen zu begreifen, bilden Erinnerungen. Welche werden das bei Xenia sein? Erinnerungen an Leid, an durchweinte Nächte? Xenia hat Leukämie. Xenia wird auf der einzigen Kinderkrebsstation in ganz Moldawien behandelt, dem Projekt unserer diesjährigen Weihnachts-Spendenaktion.

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Die dreijährige Xenia ist gerade in der Chemotherapie, sie weint sehr oft. Da müssen die Ärztin Oxana Harabadjiu (l.) und die Mutter Olga helfen und trösten. Foto: Heinz Sünder

Wird sie sich später an fremde Menschen in weißen Kitteln erinnern, die ihr gut zureden, die ihr aber Schmerzen zufügen? Oder an die Mama, die oft nicht da ist? Wird es überhaupt ein Später geben? Xenia reagiert, wie ein kleines Mädchen in so einer Situation reagiert: Sie weint.
 
Das Mädchen war zweieinhalb Jahre alt, als die ersten Probleme auftauchten: Fieber, Bauchweh, Halsweh. Drei Monate lag sie in einem Krankenhaus in Balti zur Beobachtung, ohne dass die Ärzte herausfanden, was mit ihr los war. Dann ist die Mutter Olga mit ihr in die Hauptstadt gefahren. In der Kinderkrebsklinik wurde festgestellt: Leukämie, eine angegriffene Leber. Jetzt liegt sie auf der Krebsstation, bekommt eine Chemotherapie, hat Schmerzen.
 
In der rechten Schulter steckt die Kanüle für die Infusion, direkt am Bett steht das Überwachungsgerät, über das die Infusion automatisch geregelt wird. Darum herum liegen Xenias Puppen, Malstifte, ihr Spielzeug. Das alles kann sie aber im Augenblick weder ablenken noch trösten. Auch nicht die Mama, auch nicht die Ärztin und auch nicht Oberärztin Dr. Irina Plaschevici.
 
„Die sagt: „Das sind schwierige Momente für uns alle, da brauchen wir sehr viel emotionale Kraft: die Mutter und wir Ärzte. Wir müssen das Kind seelisch halten, wir dürfen es nicht im Leid versinken lassen. Das wäre eine Katastrophe für die Therapie. Unsere kranken Kleinen sind unglaublich feinfühlig. Sie merken sofort, ob hinter unserem Mitgefühl Kraft und Hilfe stecken – oder nur ein Versuch, Trost zu spenden, hinter dem keine Hoffnung mehr steht.“
 
Also machen die Erwachsenen eine Krisensitzung an Xenia Bett: die Mama und die Ärztinnen. Ob die Kleine es schafft, ob die Therapie anschlägt, ist unsicher. Die Ärztin weiß, wie solche Fälle in unseren Krankenhäusern behandelt werden. Sie weiß, was sie bräuchte, um diesen Standard zu erreichen. Sie weiß aber auch, was ihr alles fehlt und warum der Kampf um das Leben der Kinder so oft verloren geht. Sterben, weil du arm bist: Hier trifft dieser schreckliche Satz sehr oft zu.
 
Das wollen wir mit unserer diesjährigen Weihnachtsaktion verändern, soweit es in unseren Kräften steht. Dafür, liebe Leser, brauchen wir Ihre Hilfe. Es geht um Kinder wie Xenia, drei Jahre alt und aufwachsend in einer Welt des Leidens und der Verzweiflung. Bei uns wäre ihre Chance um ein Vielfaches größer. Wir wollen, dass sie diese Chance bekommt.

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