– Alles war rot, der Raum, die Kostüme, – warum? Sollte das Zorn (wessen?), Blut (wessen?), Krieg (in der Handlung nebensächlich) symbolisieren? Alle waren unterschiedslos in demselben Rot gekleidet, - gibt es keine Unterschiede zwischen Kurfürst und Rittmeister, zwischen Träumer und Realist,…?
– Aus irgendeinem Grund wateten alle Spieler ebenso unterschiedslos im Wasser rum, – warum? Sollte das Blut oder Tränen symbolisieren? Es fließt kein Blut, der Prinz wird begnadigt.
– Weshalb läuft die Kurfürstin mit nassem Rock ’rum? Sie entscheidet nichts, ist nicht zentral in die Handlung involviert, – aber selbst wenn sie’s wäre, weshalb platscht sie ebenso wie die anderen im Wasser ´rum?
– Daß alles an ein und demselben Ort geschieht, ist dramaturgisch nicht schlecht, führt aber dazu, daß die meiste Zeit einige der Figuren mit dem Rücken zum Zuschauer die (rote) Wand anstarren. Dramatisch nicht sehr auf- und anregend.
– Der Prinz wird nur als weicher Träumer dargestellt, - weshalb wollen am Ende seine Soldaten es nochmal mit ihm wagen? Dieser nuschelnde „Held“ hat die Reiterei im Vorgefühl des Triumphes in die Schlacht geführt? Nicht zu glauben.
– Der Prinz nuschelte seine Rolle so vor sich hin, selten war ein Wort klar zu verstehen, – schade um Kleists Sprache.
– Die meiste Zeit haben die Figuren sich auf der Bühne angeschrien, – wenn man den Text nicht kannte, war nichts zu verstehen. Hat es sich noch nicht herumgesprochen, daß Dramatik (vor allem, wenn sie mit wenig Handlung verbunden ist) eher in leisem, eindringlichem, nachdenklichem, … Sprechen als im Geschrei zum Ausdruck kommt? (Ist aber schauspielerisch nicht leicht!)
– Und wenn die Figuren mal in normaler Stimmlage gesprochen haben, klang das eher nach einer Schüleraufführung.
– Viel langweiliger kann man die Rolle des Kurfürsten nicht spielen, – ist er nur eine Nebenfigur?
– Kottwitz spricht als einziger klar, inhaltlich angemessen, aber sogar der schreit am Ende seiner furiosen Rede den Kurfürsten an, – der Obrist schreit den Kurfürsten an? Diese Schreierei macht den Kurfürsten nachdenklich? Wer am lautesten schreit, hat am Ende recht? Bei Kleist?
- Sehenswert war es, wie sich der Prinz artistisch (wie im Break-dance) im Wasser auf dem Boden wälzte. Zuerst dachte ich, alle Achtung; nachdem er dieselbe „Figur“ zum 5.Mal durchgedreht hatte, dachte ich, jetzt kann er allmählich aufhören. Das tat er dann auch.
Zentrale Aussagen bzw. Fragen (Recht oder Willkür, Gesellschaft oder Individualität, Traum oder Realität,...) gehen im allgemeinen Geplätscher und Geschrei unter, – was sollte dieses Drama nach Meinung des Regisseurs dem heutigen Zuschauer eigentlich noch vermitteln?
Die Aufführung war nicht sehenswert, Kleist ist besser.
