„Zoff in Chioggia“ in Bochum: Plakativ platt gewalzt

Von Bernd Aulich am 03. Februar 2012 16:15

BOCHUM. Nuran David Calis gilt seit seiner Eigenproduktion „Homestories“ am Essener Schauspielhaus, in der Jugendliche aus Essen-Katernberg authentisch zu Wort kamen, als Shooting-Star des Migrantentheaters.

links
1/1
rechts

Turbulenzen in der Burger-Bar: das Ensemble in Nuran David Calis' »Zoff in Chioggia« im Schauspielhaus Bochum. Foto: Arno Declair

Mit der Uraufführung der Goldoni-Bearbeitung „Zoff in Chioggia“ ist der in Bielefeld als Sohn türkischer Eltern mit armenischen Wurzeln aufgewachsene 35-Jährige im Schauspielhaus Bochum auf dem harten Boden der Bühnenrealität angekommen. Einer Bühnenrealität, die kreative Defizite unerbittlich bloßlegt. Schon sein Multikulti-Kulturhauptstadt-Projekt „Next Generation“ in den Bochumer Kammerspielen besaß bestenfalls den ästhetischen Charme einer ambitionierten Schultheater-Aufführung.

In „Zoff in Chioggia“ bekennt Isidoro, der Patron einer vor der Pleite stehenden Burger-Bar namens Chioggia, nach der Pause: „Mir gehen langsam die Ideen aus.“ Das klingt wie eine Selbstoffenbarung des Autors und Regisseurs angesichts eines mit drei Stunden über die Maßen zerdehnten zähflüssigen Abends.

Nuran David Calis hat Goldonis im armen Fischermilieu von Chioggia in der Nähe Venedigs spielende späte Komödie von 1762, mit dem er offenkundig fremdelt, wie schon manch anderen historischen Stoff überschrieben. Alles Komödiantische ist der Vorlage ausgetrieben. Aus der Goldoni-Vorlage wurde ein plakativ platt gewalztes, vor sprachlichen Platitüden und schlichten Rampen-Phrasen zur Migranten-Thematik strotzendes Stück aus dem prekären Milieu der Gegenwart.

Mehr über die Inszenierung lesen Sie in der morgigen Ausgabe Ihrer Tageszeitung!

@ www.schauspielhausbochum.de
Info Weitere Aufführungen am 10. und 16. Februar sowie am 10. und 30. März. Karten tel. 0234 / 33 33 55 55.