Bergfest im Grimme-Institut: "Die Branche ist nicht zimperlich"

Ina Retkowitz am 01. Februar 2012 16:31

MARL. „Über TV klug und kritisch sprechen und streiten, grimmiger geht es nicht“, brachte Grimme-Direktor Uwe Kammann die Arbeit der Grimme-Juroren beim traditionellen Bergfest auf den Punkt. Wie gewohnt gab es in dem überfüllten kleinen Institut ein großes Hallo, ein Stelldichein von Produzenten Moderatoren und dem ein oder anderen Nominierten.

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Strahlende Gesichter bei der Preisverleihung des Gerd-Donnepp-Preises. Foto: Jürge Wolter

Bekannt gegeben werden die Gewinner am 13. März in Düsseldorf - ganz nach Kammanns Motto „Eine gute Entscheidung ist eine gut begründete Entscheidung.“ Da darf man gerne noch einmal nach- beziehungsweise auf die Sprünge helfen. So zum Beispiel Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf: Die Premiere ihrer neuen TV-Show „neoParadise“ wollten nur 20 000 Zuschauer sehen, was selbst für den Digitalsender ZDFneo keine gute Ausbeute ist, aber den miesen Einstand macht jetzt die Aussicht auf den Grimme-Preis wett.

Gut gelaunt verfolgte das Duo denn auch die Verleihung des Bert-Donnepp-Preises, der jetzt vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises schon zum 21. Mal ausgelobt wurde. Ausgezeichnet wurde die Medienredaktion des Deutschlandfunks - namentlich mit Chef Andreas Stopp, Brigitte Baetz, Bettina Köster und Bettina Schmieding.
„Diese Stimmen hört man und das ist eine Ausnahme in der Radiolandschaft“, sagte Manfred Erdenberger, selbst WDR-Hörfunkjournalist, der seine Karriere mit einem Volontariat in unserem Haus startete, in seiner Laudatio. Sachkundige Chronisten, statt Unterhaltung ohne Inhalt. Neugier und Mut zur Offensive statt flache Comedy und Werbung zeichne das Format aus. Einziger Nachteil: „Die Sendezeit kollidiert samstags mit der Fußball-Bundesligakonferenz.“

Gleiches Zeit-Problem hatte offenbar Verleger Jakob Augstein. Ihm wurde die Besondere Ehrung zu Teil, die nur punktuell, aber keinesfalls jährlich, beim Bergfest verliehen wird. Augstein weilte allerdings im Skiurlaub, wollte den Termin aber nicht platzen lassen und ließ sich per Videokonferenz zuschalten. Gelobte Technik!

Was an sich paradox erscheint, denn zu den Herausforderungen an Journalisten sagte er in Abspielung auf den aktuellen Streit um die Tagesschau-App: „Die Branche ist nicht zimperlich. Das ist wohl die Kehrseite des Netzes und der Freiheit.“ Passend dazu debattierten die Beteiligten anschließend, wie es mit der Entwicklung Europas und der medialen Berichterstattung darüber steht. Und das gewohnt „grimmig“.
 
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