«Jungs sind wie Muffins, Mädchen wie Cupcakes»

Von Philipp Ruhmhardt, dpa am 09. April 2012 12:52

Karlsruhe (dpa). Wenn man Sonja Stauchs Cupcake-Laden betritt, verwandelt sich Karlsruhe in eine Märchenwelt. In ihrem pink gestrichenen Café stehen quietschfarbene Törtchen hinter der Glasvitrine, die mit Geschmackssorten wie Kiwi oder Absinth die Kunden neugierig machen sollen.

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Cupcakes sind Kalorienbomben, die Lifestyle und Fashion verkörpern sollen. Foto: Uli Deck

Den Laien erinnern Cupcakes zwar an die guten alten Muffins, doch beim Versuch einer Definition verfällt Stauch in Geschlechterklischees: «Muffins sind die Jungs mit der Latzhose, die im Sandkasten mit Schaufel und Bagger spielen. Cupcakes sind die Mädchen nebendran, mit den rosa Rüschchenkleidchen. Nix gegen Jungs, aber Mädchen kann man schön aufhübschen, deshalb mache ich Cupcakes», philosophiert die 31-Jährige.

Die gelernte Schneiderin bezeichnet sich als «Küchenfee», obwohl sie mit ihrem Unterlippenpiercing und den pechschwarz gefärbten Haaren eher aussieht wie ein Punk in Backschürze. Seit Februar führt sie ihren eigenen Laden - das «Cupcake Imperium» in der Karlsruher Innenstadt. Sie ist nicht die einzige Spezialistin in Deutschland: In Berlin, Köln, München, Düsseldorf und Stuttgart gibt es bereits Läden, die ausschließlich Cupcakes verkaufen.

Der Siegeszug der Minikuchen begann in den USA mit der berühmten Serie «Sex and the City». Dort biss die Protagonistin und Trendsetterin Sarah Jessica Parker in einen pinkfarbenen Cupcake. Der Laden ließ sich eindeutig identifizieren: die «Magnolia»-Bäckerei in New York. Seitdem ist das Geschäft ein Wallfahrtsort für Serien-Fans aus aller Welt - und die üppigen Törtchen haben es mittlerweile über den Atlantik geschafft. «Ein Cupcake ist der Querschnitt von Kuchen und Fashion», sagt der Marketingchef der Stuttgarter Cupcake Boutique, Holger Wockenfuss.

Der Präsident des Deutschen Konditorenbundes, Gerhard Schenk, sieht die Zukunft der Cupcakes in Deutschland skeptisch. Sie seien zwar originell, aber würden wie der Muffin immer ein Randprodukt bleiben: «Gegen die Schwarzwälder Kirschtorte oder den klassischen Käsekuchen kommt hier in Deutschland immer noch nichts an.»

In der Tat finden sich die hippen Minitörtchen bei traditionellen Konditoren eher selten. «Im Prinzip bestehen Cupcakes nur aus einem einfachen Rührteig mit einer Buttercreme. Das ist vielen Konditoren zu anspruchslos», sagt Schenk. Anspruchsvoll ist immerhin der Preis: Zwischen drei und fünf Euro kosten in der Regel die kleinen Torten, die kaum größer sind als eine Billardkugel.

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