Sozialwerk begräbt Pläne: Kein Jugendhilfe-Projekt im ehemaligen Landhaus Scherrer

von Ulrike Geburek am 04. Februar 2012 12:02

MARL/RECKLINGHAUSEN. Aus dem ehemaligen Landhaus Scherrer an der Bockholter Straße wird nun doch kein Wohnheim für Jugendliche, die in ihrem Leben ohne fremde Hilfe nicht zurechtkommen. Das Sozialwerk St. Georg muss sein ehrgeiziges Projekt begraben. „Das Interesse der Städte war zu gering“, bedauert Vorstandssprecher Dieter Czogalla. Nun soll dort eine Fortbildungsakademie entstehen.

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Aus Mangel an Interesse: Ins ehemalige Landhaus Scherrer ziehen doch keine Jugendlichen ein. Foto: Nowaczyk

Dabei hat das Sozialwerk bereits viel Geld und Zeit in den Umbau des langjährigen Hotel- und Gastronomiebetriebs investiert. Wo einst Edel-Menüs serviert wurden, sollten ab Oktober 2011 14 junge Menschen leben und teilweise auch arbeiten. Rund 600 000 Euro kostete die Immobilie aus dem Jahre 1902 samt 5 000-Quadratmeter-Grundstück. Mit etwa 550 000 Euro schlugen zudem Renovierung und Umbau des Gebäudes zu Buche, das in den 1980er-Jahren kernsaniert und 1995 mit einem Anbau versehen worden war.

Kurse für Mitarbeiter

Nachdem die marode Bausubstanz immer wieder für Überraschungen gesorgt und den Start verzögert hatte, war die Wohngemeinschaft im Herbst endlich „betriebsbereit“. Theoretisch. Praktisch fehlte es an 14- bis 21-Jährigen. Denn relativ schnell zeichnete sich ab, dass die klammen Kommunen nicht mitzogen, keine „finanziellen Zusagen“ machten. „Dabei existieren bislang nur wenig Hilfsangebote dieser Art. Und der Bedarf in diesem Bereich ist sehr groß, vor allem bei Jugendlichen mit Essstörungen und Drogenproblemen. Angesichts der finanziellen Situation werden bestimmte Dienstleistungen leider nicht mehr angenommen“, berichtet Czogalla weiter. Und das Wagnis, rote Zahlen zu schreiben, wollte das Sozialwerk auf keinen Fall eingehen. 

Gibt die Stadt Recklinghausen erst ihr Okay, werden in der ehemaligen Landschule erneut Lehrer das Sagen haben. Das Fortbildungsreferat des Sozialwerks plant unter anderem Kurse für seine 2 500 Mitarbeiter. Zudem setzt das Unternehmen auf Integration. In der als Hotelbetrieb geführten Akademie sollen auch Behinderte arbeiten. 

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