Prestigeträchtiges Ereignis im Privatfernsehen vermarkten

24. Januar 2012 12:15

Von: Hans-Jürgen Linau, Herten-Langenbochum — Betr.: Bericht „Neue Esskastanien säumen Allee“ — HA vom 21. Januar

Ich lebe in Herten, arbeite den ganzen Tag und zahle brav meine Steuern und Abgaben. Hiervon soll es in Herten ja immer weniger geben. Der Bürger an sich ist in Herten nicht viel wert. Wichtiger ist es unseren Politikern scheinbar, Prestigeobjekte zu finanzieren und dies bestmöglich zu veröffentlichen. Über gescheiterte Projekte spricht man nicht gerne. Im Gegensatz zu diversen anderen Zeitungen berichtet auch die HA lieber über die schönen Dinge, welche in Herten passieren. Kritische Auseinandersetzungen mit den Vorgängen in unserer Stadt findet man meist nur in Leserbriefen. Auch wenn dies leider oft in persönlichen Schlammschlachten endet. Hier hat unser Rathaus in den letzten Jahren viel investiert und gute Arbeit geleistet. Glückwunsch (das meine ich wirklich ernst). Oft habe ich mich schon über diverse Dinge geärgert, die in unserer Stadt passieren. Leider habe ich nur sehr wenig Zeit (Arbeit, Familie...). Deshalb habe ich bisher auf Leserbriefe wie diesen verzichtet. Aber nun sehe ich den Artikel über die „großzügige“ Spende der Eheleute Adler. Herten ist pleite. Wöchentlich werden Geschäfte überfallen und Wohnungen aufgebrochen. Auf den Straßen herrscht Anarchie, da für Kontrollen oder bauliche Veränderungen keine Mittel zur Verfügung stehen. Insbesondere gilt dies offensichtlich für Wohngebiete (auf gut ausgebauten Straßen mit niedrigem Tempolimit sieht man dagegen öfter mal „Blitzer“). Die enormen Personalkosten sind erdrückend. In Herten werden keine Kinder mehr geboren. Das Alles ist schlimm. Unsere Politiker jammern. Und jetzt dieser große Artikel mit Foto. Die Eheleute Adler spenden zwei Bäume im Gesamtwert von knapp 100 Euro (Preis für eine Esskastanie, 100 - 150 cm hoch, ca. 30 - 50 Euro). Keine geringere Delegation bestehend aus unserem Bürgermeister, einem Ratsherren (zufällig ein Bekannter der großzügigen Spender) und drei Mitarbeitern des ZBH, hat sich die Zeit und unser Geld genommen, diesem prestigeträchtigen Ereignis beizuwohnen. Meine Damen und Herren, mir fehlen hier die Worte. Das Ganze sollte in einem entsprechenden Format über einen privaten Fernsehsender vermarktet werden. Vielleicht kommt so ja etwas Geld in das leere Stadtsäckel.

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