Dass es unklug wäre, den ersten Fastenabend allein auf dem Sofa zu verbringen, war mir klar. Da hätte mir der Verzicht auf meine vier, fünf Zigaretten, das Glas Wein und die Pralinen garantiert schlechte Laune gemacht. Insofern kam die Einladung ins Kino wie gerufen. „Ziemlich beste Freunde“ hieß der Film. Wer hätte gedacht, dass in einer Tragikomödie um einen Behinderten und einen Kleinkriminellen pausenlos Petit Fours und Mousse au chocolat gespachtelt, eine Kippe nach der anderen geraucht und abwechselnd Champagner, Wein und Whisky gesoffen werden? Naja, ich hab‘s überlebt. Und dem, der mich für meine Stärke zwar bewundert, sie jedoch nicht als Ansporn nimmt, es mir gleichzutun, später großzügig zwei Zigaretten zugebilligt. Eigentlich ‘ne Frechheit, das Angebot anzunehmen! Das hat Konsequenzen. Fürchterliche. Meine Aggressionen wachsen ...
Florian Adamek:
Ganz im Ernst – der Abend war bescheiden: Schon beim Tischdecken kroch Unbehagen in mir hoch, denn das Durchbrechen von Stereotypen in den eigenen vier Wänden ist anstrengend. Welches Glas zum Abendessen. Der Blick wandert durch den Schrank. Oben die Weingläser und die Bierhumpen. Nein. Ein großes Wasserglas, denn etwas ist anders – heute und die kommenden sieben Wochen. Mein Gedanke: „Wie doof kann man eigentlich sein“. Der Tag war anstrengend – und jetzt auch noch das. Die pubertierende Tochter spürt später die Gereiztheit und gibt mir den Tipp: „Boah, sieht doch keiner!“ Dabei greift sie in die Chips-Tüte und knuspert mir meinen geliebten Fernsehsnack vor. Super, tolle Brut. Letztlich saß ich in einem Wohnzimmer voller Familie mit meinem inneren Schweinehund allein auf der Couch. Das ist jetzt wohl solange so, bis es normal ist. Das war es gestern definitiv noch nicht.









